hungry blog – Leben, Alltag und Essstörung aus dem Blickwinkel einer Betroffenen

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Pro Ana ist böse. Ein Nachruf für das selbständige Denken.

September 1, 2009 · 11 Kommentare

Bei einem kleinen Streifzug durch youtube.de (wo ich mich neuerdings auch mal angemeldet habe) bin ich erneut über einige interessante Beiträge zu „Pro Ana“ gestoßen. Alle haben den gleichen Grundtenor: es gibt da diese Seiten….

… dort finden sich Magersüchtige zusammen
… geben sich Anleitungen zum Hungern und Kotzen
… stacheln sich zum Abnehmen an
… benehmen sich wie Sektenanhänger
… huldigen der Magersuchtgöttin Ana
… die auch als „Freundin“ bezeichnete, personifizierte Magersucht
… sind minderjährig und verführen andere Minderjährige, sich eine Essstörung zuzulegen
… User, die nicht oft genug online sind, werden bestraft oder ausgeschlossen
… man postet dort Fotos von sich, um den Hungererfolg zu beweisen
… und wer nicht dünn genug ist, wird animiert, was zu tun!

Ich räuspere mich an dieser Stelle.

Gehen wir der Reihe nach vor.
Ja! Es mag solche Foren geben, ganz real wirken sie, böse und übergriffig – und zwar in den feuchten Träumen von Leuten wie Lara Fritzsche oder anderen Reportern (<- Ich verzichte hier auf die Anführungszeiten, ich möchte ja niemanden beleidigen…). Dass es für Lügen in dieser Branche Auszeichnungen gibt, ist ja seit Katharina Blum, also nicht erst seit gestern, bekannt. Welches Ausmaß diese annehmen können, steht auf einem anderen Blatt.

Ganz ehrlich, liebe Frau Fritzsche und Kollegen*…

*(Innen fehlt bei mir aus Prinzip, ich halte nichts von
der Verstümmelung des generischen Maskulinums)

… seit Ihrem Artikel ist ja eine ganze Weile vergangen. Er war sicher damals schon überzogen, wenn auch nicht vollkommen falsch… Ich war in meinem Leben in einer Handvoll Pro Ana Foren, habe viele interessante Menschen kennengelernt, viel diskutiert, reflektiert und nachgedacht. Dummerweise war nie eines der oben beschriebenen Art dabei. Ich weiß ja auch nicht, wie das passieren konnte, wo doch Pro Ana Foren per definitionem der lange Pfad zur Hölle sind. Genauer gesagt erst durch die Hölle und dann in den Tod.

Was ich sagen wollte, verzeihen Sie, dass ich abschweife, es kann schon sein, dass es solche krassen Foren, wie das von Ihnen beschriebene gibt. Nur können es so viele nicht sein, sonst müsste ich wohl schon mindestens mal einem begegnet sein. Begegnet bin ich vielen, schließlich bin ich ein ganz gut informierter Bürger, kann das Internet benutzen, kann auch noch lesen und habe die Zeit, die ich hatte, um mich mit diesem Thema zu befassen benutzt, um tatsächlich zu recherchieren (manche Menschen verwechseln dieses Wort immer mit Überfliegen, aber ich verspreche Ihnen: man kann das lernen!)

Zugetragen wurde mir allerdings, dass es zu Zeiten des „Pro Ana Hypes“ – einer Zeit, in der Pro Ana durch die Medien erst so richtig populär wurde – einige extremere Foren gegeben habe. Bezeugen kann ich es nicht. Von Wissen möchte ich jedoch sprechen, wenn ich sage, dass es in dieser Zeit (vor etwa 2-3 Jahren) unheimlich viele Neuanmeldungen in Pro Ana Foren gab. Fast täglich kamen da manchmal Anfragen von jungen Mädchen, die unbedingt aufgenommen werden wollten, mit solchen Angaben wie „Ich bin seit ca. 4 Monaten magersüchtig, seit 2 Monaten bin ich pro.“ Die meisten Vorstellungen dieser Art wurden schlichtweg abgewiesen. Oder nein, ich habe es eigentlich nie erlebt in den Foren, in denen ich war, dass man jemanden aufnahm, der vorgab, seit 4 Monaten unter einer Essstörung zu leiden, die er nicht mal orthographisch korrekt erfassen konnte… Zudem wurden in dieser Zeit die Forenbetreiber schnell hellhörig, wenn sich Minderjährige vorstellten. Zum einen will niemand Schuld sein am Elend eines „Kindes“, zum anderen hatte man noch nie das Bestreben, sich aktiv und nachhaltig strafbar zu machen.

Die Foren waren seit Anbeginn ihrer Entstehung ein Ort der Kommunikation sozialzensierter Inhalte. Es ging schon immer darum, über Themen zu reden, die man in Gegenwart „Nicht-Essgestörter“ nicht ansprechen konnte. Dass die Kommunikation vor der Hybris des Wunsches nach weniger nicht Halt machen würde, sollte jedem Menschen, der auch nur einen Funken abstrakten Denkens sein eigen nennen kann, klar sein! Was, liebe Lara, wird wohl passieren, wenn man junge Menschen in einem Raum der Anarchie sagen lässt, was sie denken? Sie werden die Wahrheit herauslassen.

Was soll das alles?

Darauf, was Pro Ana Foren mittlerweile wirklich ausmacht, habe ich schon mehrfach hingewiesen. Ich mag mich nicht wiederholen. Deshalb lasse ich diesen Teil nun weg und bitte die Interessierten, die Suchfunktion des Blogs zu nutzen.

Ich wollte es einfach noch einmal gesagt haben.

Pro Ana ist ein Begriff der Medien. Die Foren, die sich früher Pro Ana nannten, sind mittlerweile breitgefächerte Communities, auf die die o.a. Punkte nicht zutreffen. Es geht um Zwischenmenschliches, um Unterstützung und Alltag. Nur! weil es nicht um Therapie geht, weil Heilung nicht das non plus ultra genannt wird, weil man sich nicht zur Einweisung animiert, ist so ein Forum noch lange keine Mördergrube.

Ich bitte darum zu differenzieren und erinnere daran, wie häufig sich die Medien irren. Es kann nicht sein, dass Foren über Essstörungen diffamiert werden, nur weil man einmal ein praktisches Wort dafür gefunden hat, während Kinderschänder und Nazis ihre Parolen in jeden Code setzen dürfen.

Wo leben wir?
Was wollen wir?
Glauben wir oder wissen wir es?
Oder werden wir glaubend statt wissend gemacht?

All die Rezensenten und Kommentatoren von Videos, Artikeln, Blogs… was denken sie, wenn sie anklagen, wo statt Verbrechen nur Missverständnis besteht? Warum machen sie sich überhaupt die Mühe? Weil es andere lesen? Weil es Aufsehen erregt? Weil es böse ist? Was ist böse? Ein Mensch, der keine Moral hat, alldieweil er sie ja nicht haben kann, denn hätte er sie, würde er zunächst differenzieren, und würde er das tun, käme er zu einer Erkenntnis, hätte statt einer Meinung eine Ahnung und würde den Spam der Gesellschaft vorenthalten … ein solcher Mensch kann nicht über Gut und Böse urteilen.

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Neues Unwort: „Weborexics“

Mai 26, 2009 · 2 Kommentare

Sehr toll, gerade erst gefunden und schon verinnerlicht. Zweifels ohne soll es abfällig klingen. Einerseits sagt es: „Leute, die sich im Internet zum Hungern antreiben und das wahnsinnig cool finden.“ Dann vielleicht auch „Herumzeigen der eigenen Störung (im Internet)“ oder etwa „Gar nicht richtig krank sein, aber es auf jeden Fall werden wollen“ (leichte phonetische Ähnlichkeit von „Wannarexic“ und „Webarexic“ dürfte auffallen).

Gefunden habe ich den Begriff in diesem Artikel.

(falls diese Quelle aus dem Netz verschwinden sollte, können Interessierte eine Mail an mich schreiben, das Objekt befindet sich in kopierter Form auf einem meiner Datenträger…)

Fängt schon mal gut an: „Pro-Ana’s are young women who proclaim themselves to be proudly anorexic, and they have created a vibrant community online.“

Der Artikel will…. „[...] discuss the ethical issues surrounding the sites, wherein many have been censured or shut down by commercial website hosting sites, which has raised issues of censorship versus freedom of speech.“
Der letzte Teilsatz ist interessant …

Zur Information: Auszug aus Artikel 5 des Grundgesetzes der BRD

„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Nachzulesen z.B. hier: dejure.org

Und für Wissbegierige: Ein Land, in dem sich vmtl. keiner Sorgen um die Zensur von Pro Ana Seiten macht… der Iran

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, diesem Text und den Weborexics, die darin vorkommen… Nach und nach wird hier ausführlich erklärt, zu was die Pro Anas fähig sind. Nicht nur, dass sie Foren betreiben, nein, sie besitzen auch Homepages (im Übrigen existiert keine der als Quellen in dem Artikel verlinkten Seiten heute noch) – dort zeigen sie böse Dinge, wie ihre Ansicht über ihre eigenen Krankheiten, die sie als Lifestyle deklarieren. Sie tauschen sich über Chatrooms aus (typisch für solche Seiten, hm!) und führen Links zu anderen bösen Seiten (in many instances, to other Pro-Ana and ED support sites, but in some cases to recovery and health sites).“ - Moment, das ist jetzt aber seltsam! Warum tun die das denn, wenn sie doch in Wirklichkeit die Versklavung der Menschheit unter einer Göttin namens Anorexia fordern? Warum sollten sie nicht-therapiefeindliche Seiten verlinken, wo doch alle Weborexics gemeine, hinterhältige Klinikverweigerer sind, die nichts lieber tun, als vor dem Computer ihrer Anorexie zu fröhnen?

Da gibt es nun zwei Möglichkeiten.

  1. Es ist ähnlich wie in Deutschland, man verlinkt die „Recovery“ Seiten (wie BzgA, hungrig-online,…) für Leute, die keine Essstörung haben. Diese sollen sich nicht im Forum anmelden, weil man nicht will, dass sie dort tiefer in eine Krankheit hineingeraten, die vielleicht noch in der Entwicklung ist und aufgehalten werden kann …
  2. Die Leute benutzen diese Links als Alibi und täuschen Punkt 1 nur vor.

Ich kann nicht beurteilen, wie die Auffassung von „Pro Ana“ oder „With Ana“ in den Vereinigten Staaten ist. Ich bezweifle, dass sie besonders einheitlich sein wird. In Deutschland verhält es sich meiner Erfahrung nach jedenfalls so, dass die meisten Seiten, auch wenn sie unter der Headline „Pro Ana“ irgendwo auftauchen, eher gemäßigte Ansichten vertreten. Todesverherrlichung, „Ana Stuff“ wie „Anas Brief“ und gegenseitiges mutwilliges Triggern sind eher unerwünscht. Dennoch ist „Pro Ana“ der Zugang zu diesen Seiten. Nicht aber, weil die entsprechenden Seiten tatsächlich das sind, was die Medien und solche Artikel unter dem Begriff verstehen, sondern weil das Wort „Pro Ana“ ein Gegenstatement zu „Lass dich bitte in die 10. Klinik einweisen und wieder ohne jeden positiven Effekt  behandeln – so kann man ja schließlich nicht leben!“ ist. Seiten, die einen Raum für Menschen mit Essstörungen bieten wollen, in dem tatsächlich nicht zensiert wird (Selbstzensur ist übrigens legal) werden über dieses Schlagwort gefunden, daran gibt es keinen Zweifel. Deshalb sind sie jedoch keine Hirnwaschanlagen für junge Mädchen. Sie bieten lediglich einen anderen Weg, mit sich selbst umzugehen. Das nennt sich dann Vielfalt. Ein Attribut der Meinungsfreiheit.

In jedem Fall, die Prämisse kann hier nur eine sein:

Read between the lines.

Was können wir also tun, um der Welt zu zeigen, dass wir keine Weborexics sind? Dass wir keine Menschen sind, die anderen schaden wollen, sondern dass wir Gemeinschaften bilden, um über unsere Probleme zu reden und und gegenseitig zu helfen? Vermutlich bedürfte es einer Art Initiative. Einer Art Statement, dass jeder in seine Website einbauen kann, und das auf eine Bekanntmachung verweist, die deutlich macht, dass es sich nicht um eine Tod-durch-Hungern-ist-cool-Seite handelt…

Soviel zu meinen Gedanken.

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Anas Brief v.2.beta ;-)

April 11, 2009 · 3 Kommentare

Achtung, dies ist Anorektiker-Satire!!
Dies ist keine Recovery und keine Pro Ana Homepage!!

Hallo Du!
Ja, du, mit den dicken Beinen in der viel zu engen Hose, dich mein ich! Wir kennen uns aus dem Spiegel in der Umkleide, weißt du nicht mehr? Ich heiße Ana, ist aber nur mein Spitzname, in Wirklichkeit heiße ich Anorexia nervosa, aber das klingt so unsympatisch. Nenn mich Ana, okay? Du brauchst nicht die Augenbraue hochzuziehen, ich bin besser als mein Ruf! Weißt du, ich bin extra für dich hier her gekommen, um dir zu helfen, ein besserer Mensch zu werden. Wir werden uns noch viel miteinander beschäftigen, wenn du mich nämlich einmal in deine Gedanken gelassen hast, wirst du mich so schnell nicht mehr los. Aber das brauchst du nicht beunruhigend zu finden, das ist ganz normal. Mit jedem anderen ernsthaften Ziel ist es ja genauso – wenn man es wirklich erreichen will, darf man es nicht aus den Augen verlieren!

Also… nun zu dir. Weißt du, was ich nicht kapiere? Mädchen wie dich lobt man ständig für ihre schöne weibliche Figur, aber mal ganz im Ernst: was ist an Fett bitte schön?? Wahas? Die Jeans aus dem Aldi sieht auch nicht besser aus, wenn darüber dein Hüftspeck zu sehen ist. Und wer hat dir erlaubt, ein bauchfreies Top zu tragen? Wie – das ist gar nicht bauchfrei? Ok… das tut mir leid, ich wollte nicht gleich so fies sein, aber ich glaube, wirklich, du brauchst einen gehörigen Arschtritt, sonst siehst du in 20 Jahren noch so aus. Ich meine, denk mal dran, wenn du erst in die Oberstufe gehst, mit der Figur! Das hat keine Ausstrahlung, und wer hat überhaupt gesagt, Normalität sei schön? Davon darfst du erst gar nicht ausgehen, sonst ist eine Note 3 nämlich auch schön. Möchtest du deinem Körper eine 3 durchgehen lassen? Na eben. Du bekommst ne 1+ und ich helfe dir dabei. Dafür musst du nur alles tun, was ich sage. Alles, auch wenn es dir vollkommen bekloppt und irrsinnig vorkommt.

Als erstes stellen wir mal dein Körpergewicht fest. Vermutlich hast du dich seit Wochen nicht gewogen… seit Monaten??? Das wird sich ändern! Täglich, ab jetzt, und zwar mindestens 3x. Wenn nicht öfter. Du wirst deinen Körper jetzt mal kennenlernen, wie er reagiert, wenn du ihn wieder mit einem Brötchen vollstopfst… So, dann steig mal auf die Waage. Interessant. Hast du schon mal deinen BMI ausgerechnet? Kannst du gleich für Mathe üben – Körpergewicht in kg pro Körperlängenquadrat in cm². Wenn der Quotient größer als 18 ist, bist du fett, ab 17 wird’s erträglich – aber, Mann rechnest du langsam…. wie…. ich ….sehe, okay, das ist noch ein weeeeiiiii-ter Weg. Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als ein bisschen Sport zu machen. Wie, du magst keinen Sport? Niemand mag Sport. Kate Moss mag auch keinen Sport – na und? Beweg dich! Mindestens genauso oft, wie du dich wiegen wirst, darfst du auch Sport machen. Und wenn das auch nicht hilft, na ja, dann wirst du so nach und nach die ekligen Methoden lernen. Klar, jetzt glaubst du noch, das machst du ja doch nie – und in einem halben Jahr sitzt du mit einer Überdosis Abführmittel morgens halb 5 auf dem Klo und scheißt dir die Seele aus dem Leib – freiwillig. Alles nur, um nicht fett zu werden. Aber im Moment bist du es ja noch, zuerst musst du noch ein bisschen an dir arbeiten.

Glaubst du eigentlich echt, dass du gut aussiehst? Ich meine, gefällst du dir? Ach, so’n bisschen unzufrieden biste? Und jetzt sowieso, da ich dir gesagt habe, wo noch überall verborgenes Fett ist. In Wirklichkeit hat das eh nur deinem Freund gefallen – der Steht auf feminin? Na super, vergiss ihn, er ist’n Spießer! Du hast gerade den Schlüssel zum Glück gefunden: Abnehmen – und wer sich in den Weg stellt, an dem geht man einfach vorbei. Mit der Zeit wird dir das auch immer leichter fallen, weil du ja jetzt etwas hast, das dir wirklich wichtig ist, ein Ziel, eine Aufgabe. Du kannst allen zeigen, wie gut du hungern kannst, wie diszipliniert du bist. Bald werden die Anderen es bemerken und dann bist du das Pausengespräch, glaub mir. Es wird sich aber keiner trauen, etwas zu machen, du bist unantastbar…. einige werden vielleicht sogar deine Freunde sein wollen, schließlich bist du die coole Dünne. Und wenn dich echt mal einer fragt, hast du eine Stoffwechselstörung und bist Vegetarier. Da geht das halt nicht mehr so mit dem Essen. Wenn sie dir nicht glauben, holst du einen Gemüsebatzen raus und verzehrst ihn auf der Stelle. Dann solltest du allerdings den restlichen Tag lang fasten. Und vergiss nicht, die Kalorien zu zählen – am besten schriftlich!

Und sonst? Na ja, ich begleite dich jetzt. Du musst nur gut auf unsere Freundschaft aufpassen. Die Anderen verstehen das nicht, sie wollen sie immer nur kaputt machen. Erzähl ihnen nie was. Wenn du kannst, mach ihnen was vor. Lass dich nie verführen, ihnen was zu erklären. Es geht sie nichts an! Und wenn du mal jemanden zum Reden brauchst, gibt es ja auch das Internet. Keiner kennt dich und du kannst dich ohne Skrupel über deine Fettheit auslassen. Und jetzt 20 Liegestütz, aber zack!

To be continued…

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Pro Ana: „Ana’s Letter“

April 9, 2009 · 1 Kommentar

Zu deutsch übrigens nicht „Ana’s Brief“. Im Deutschen wird der s-Genitiv OHNE Apostroph geschrieben. Zur weiterführenden Lektüre empfehle ich folgendes Buch zu lesen: Bastian Sick „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

(Für Perfektionisten noch ein kleiner Hinweis: wenn man schon den Genitiv mit Apostroph schreiben will, dann sollte man wenigstens die richtige Taste finden. Auf einer QWERTZ-Standard-Tastatur befindet die sich rechts neben dem „Ä“, man drücke Shift und „#“. Der accent aigu hat nur im Café etwas zu suchen!) Wenn man schon zu einer Minderheit gehört, sollte man sich um der Ernsthaftigkeit willen wenigstens korrekt ausdrücken.
Allen minderjährigen Pro-Anas empfehle ich an dieser Stelle, im Deutschunterricht den mp3-Player auszuschalten.


Ana’s Letter (Original)

Allow me to introduce myself. My name, or as I am called by so called „doctors“, is Anorexia. Anorexia Nervosa is my full name, but you may call me Ana. Hopefully we can become great partners. In the coming time, I will invest a lot of time in you, and I expect the same from you.
In the past you have heard all of your teachers and parents talk about you. You are „so mature“, „intelligent“, „14 going on 45″, and you possess „so much potential“. Where has that gotten you, may I ask? Absolutely no where! You are not perfect, you do not try hard enough, further more you waste your time on thinking and talking with friends and drawing! Such acts of indulgence shall not be allowed in the future.
Your friends do not understand you. They are not truthful. In the past, when the insecurity has quietly gnawed away at your mind, and you asked them, „Do I look….fat?“ and they answered „Oh no, of course not“ you knew they were lying! Only I tell the truth. Your parents, let’s not even go there! You know that they love you, and care for you, but part of that is just that they are your parents and are obligated to do so. I shall tell you a secret now: deep down inside themselves, they are disappointed with you. Their daughter, the one with so much potential, has turned into a fat, lazy, and undeserving girl.
But I am about to change all that.
I expect a lot from you. You are not allowed to eat much. It will start slowly:
decreasing of fat intake, reading the nutrition labels, cutting out junk food, fried food, etc. For a while, the exercise will be simple: some running, perhaps some crunches and some situps. Nothing too serious. Perhaps drop a few pounds, take a little off of that fat tub of a stomach. But it won’t be long before I tell you that it isn’t good enough.
I will expect you to drop your calorie intake and up your exercise. I will push you to the limit. You must take it because you cannot defy me! I am beginning to imbed myself into you. Pretty soon, I am with you always. I am there when you wake up in the morning and run to the scale. The numbers become both friend and enemy, and the frenzied thoughts pray for them to be lower than yesterday, last night, etc. You look into the mirror with dismay. You prod and poke at the fat that is there, and smile when you come across bone. I am there when you figure out the plan for the day: 400 calories, 2 hours exercise. I am the one figuring this out, because by now my thoughts and your thoughts are blurred together as one.
I follow you throughout the day. In school, when your mind wanders I give you something to think about. Recount the calories for the day. It’s too much. I fill your mind with thoughts of food, weight, calories, and things that are safe to think about. Because now, I am already inside of you. I am in your head, your heart, and your soul. The hunger pains you pretend not to feel is me, inside of you.
Pretty soon I am telling you not only what to do with food, but what to do ALL of the time. Smile and nod. Present yourself well. Suck in that fat stomach, dammit! God, you are such a fat cow!!!! When mealtimes come around I tell you what to do. I make a plate of lettuce seem like a feast fit for a king. Push the food around. Make it look like you’ve eaten something. No piece of anything…if you eat, all the control will be broken…do you WANT that?? To revert back to the fat COW you once were?? I force you to stare at magazine models. Those perfect skinned, white teethed, waifish models of perfection staring out at you from those glossy pages. I make you realize that you could never be them. You will always be fat and never will you be as beautiful as they are. When you look in the mirror, I will distort the image. I will show you obesity and hideousness. I will show you a sumo wrestler where in reality there is a starving child. But you must not know this, because if you knew the truth, you might start to eat again and our relationship would come crashing down.
Sometimes you will rebel. Hopefully not often though. You will recognize the small rebellious fiber left in your body and will venture down to the dark kitchen. The cupboard door will slowly open, creaking softly. Your eyes will move over the food that I have kept at a safe distance from you. You will find your hands reaching out, lethargically, like a nightmare, through the darkness to the box of crackers. You shove them in, mechanically, not really tasting but simply relishing in the fact that you are going against me. You reach for another box, then another, then another. Your stomach will become bloated and grotesque, but you will not stop yet. And all the time I am screaming at you to stop, you fat cow, you really have no self control, you are going to get fat.
When it is over you will cling to me again, ask me for advice because you really do not want to get fat. You broke a cardinal rule and ate, and now you want me back. I’ll force you into the bathroom, onto your knees, staring into the void of the toilet bowl. Your fingers will be inserted into your throat, and, not without a great deal of pain, your food binge will come up. Over and over this is to be repeated, until you spit up blood and water and you know it is all gone. When you stand up, you will feel dizzy. Don’t pass out. Stand up right now. You fat cow you deserve to be in pain!
Maybe the choice of getting rid of the guilt is different. Maybe I chose to make you take laxatives, where you sit on the toilet until the wee hours of the morning, feeling your insides cringe. Or perhaps I just make you hurt yourself, bang your head into the wall until you receive a throbbing headache. Cutting is also effective. I want you to see your blood, to see it fall down your arm, and in that split second you will realize you deserve whatever pain I give you. You are depressed, obsessed, in pain, hurting, reaching out but no one will listen? Who cares?!?!! You are deserving; you brought this upon yourself.
Oh, is this harsh? Do you not want this to happen to you? Am I unfair? I do do things that will help you. I make it possible for you to stop thinking of emotions that cause you stress. Thoughts of anger, sadness, desperation, and lonliness can cease because I take them away and fill your head with the methodic calorie counting. I take away your struggle to fit in with kids your age, the struggle of trying to please everyone as well. Because now, I am your only friend, and I am the only one you need to please.
I have a weak spot. But we must not tell anyone. If you decide to fight back, to reach out to someone and tell them about how I make you live, all hell will break lose. No one must find out, no one can crack this shell that I have covered you with. I have createdyou, this thin, perfect, achieving child. You are mine and mine alone. Without me, you are nothing. So do not fight back. When others comment, ignore them. Take it into stride, forget about them, forget about everyone that tries to take me away. I am your greatest asset, and I intend to keep it that way. Sincerely, Ana

Nachlesen könnte man z.B. hier: proanalifestyle – oder auch hier: Fading Obsession

Anas Brief (deutsche Übersetzung)

Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich aus Zeitgründen die Übersetzung nicht kontrolliert habe.

Erlaube mir mich vorzustellen. Mein Name, oder wie ich von sogenannten „Ärzten“ genannt werde, ist Anorexie. Mein vollständiger Name ist Anorexia Nervosa, aber du kannst mich Ana nennen. Ich hoffe, wir werden gute Freunde.

In der nächsten Zeit werde ich viel Zeit in dich investieren und ich erwarte das Gleiche von dir.

In der Vergangenheit hast du mit bekommen, wie deine Lehrer und Eltern über dich sprachen. Du bist „so reif“, „intelligent“, „gibst immer alles“ und in dir steckt „so viel Potential“. Wohin hat dich das alles gebracht, wenn ich fragen darf?? Nirgendwo hin! Du bist nicht perfekt, du strengst dich nicht genug an und draüber hinaus verschwendest du deine Zeit damit, mit diesen Freunden zu reden und über sie und das Zeichnen nachzudenken. Dieser Luxus wird dir in Zukunft nicht gestattet sein.

Deine Freunde verstehen dich nicht. Sie sind nicht ehrlich. Früher, als die Unsicherheit an deinen Gedanken genagt hat, und du sie gefragt hast: „Sehe ich… fett aus?“ und sie geantwortet haben „Nein, natürlich nicht“, wusstest du, dass sie lügen. Nur ich sage dir die Wahrheit. Deine Eltern… lass uns nicht so weit gehen! Du weißt, dass sie dich lieben und dass sie für dich sorgen, aber die Sache ist einfach die, dass sie deine Eltern sind und verpflichtet sind, so zu handeln. Ich werde dir jetzt ein Geheimnis verraten: Tief in ihrem Inneren sind sie von dir enttäuscht. Aus ihrer Tochter, der mit all dem Potenzial, ist ein fettes, faules Mädchen geworden, das alles, was es hat, nicht verdient hat.

Aber ich bin gerade dabei, das alles zu ändern.

Ich erwarte eine ganze Menge von dir. Du darfst nicht viel essen. Es wird langsam anfangen: Reduzierung der Fettaufnahme, Lesen der Nährwertangaben, Junk Food, Frittiertes etc. wird weggelassen. Für eine Weile wird die Übung einfach sein: Etwas Laufen, vielleicht ein paar Crunches und Sit ups. Nichts zu Schweres. Verlierst vielleicht ein paar Pfunde. Nemme ein bisschen Fett aus diesem Fettbottich deines Bauches. Aber es wird nicht lange dauern, dann werde ich dir sagen, dass das nicht genug ist.

Ich werde von dir erwarten, deine Kalorienaufnahme zu verringern und gleichzeitig mehr Übungen zu machen. Ich werde dich an deine Grenzen treiben. Du musst es ertragen, weil du dich mir nicht widersetzen kannst. Ich fange an, mich bei dir einzunisten. Ziemlich bald bin ich immer bei dir. Ich bin da, wenn du morgens aufwachst und zur Waage rennst. Die Zahlen werden beides – Freund und Feind, und mit rasenden Gedanken betest du, sie mögen niedriger sein, als gestern Morgen. Du siehst mit Schrecken in den Spiegel. Du kneifst dir in das Fett, das da ist und lächelst, wenn du dir über Knochen streifst. Ich bin da, wenn du den Tagesplan gestaltest: 400 kcal, 2 Stunden Sport. Ich bin die jenige, die ihn ausgnobelt, weil spätestens jetzt meine und deine Gedanken Eins werden.

Ich folge dir den ganzen Tag hindurch. In der Schule, wenn du dich schlecht konzentrieren kannst, gebe ich dir etws zum Nachdenken: Zähle die Kalorien für den Tag nach. Es ist zuviel. Ich fülle deinen Kopf mit Gedanken über Essen, Gewicht, Kalorien und Dinge, über die Nachzudenken sicher ist. Denn jetzt bin ich bereits in dir drin. Ich bin in deinem Kopf, deinem Herzen und deiner Seele. Die Schmerzen des Hungers, die du vorgibst zu spüren, bin ich in dir.

Ziemlich bald werde ich dir nicht nur sagen, was du mit Essen machen sollst, sondern auch, was du die GANZE Zeit über machen sollst.Lächel und nicke. Zeige dich von deiner guten Seite. Schlage auf diesen fetten Bauch, verdammt, Gott, bist du eine fette Kuh! Wenn es Zeit für’s Essen ist, sage ich dir, was zu tun ist. Ich mache einen Teller mit Kopfsalat, der wie ein Festmahl passend für einen König aussieht. Reiche das Essen herum. Lass es so aussehen, als hättest du etwas gegessen. Kein Stück… wenn du isst, dann wirst du dir Kontrolle verlieren …. WILLST du das? Wieder ein fette Kuh werden, die du einmal warst? Ich zwinge dich, Models aus Modemagazinen anzustarren. Diese perfekt dünnen, verzichtenden Models mit den weißen Zähnen, Models der Perfektion, die dich von den Seiten der Hochglanzmagazine heraus anstarren. Ich lasse dich erkennen, dass du nie wie sie sein kannst. Du wirst immer fett und nie so schön wie sie sein. Wenn du in den Spiegel schaust, werde ich dir das Bild verzerren. Ich werde dir Fettleibigkeit und Scheußlichkeit zeigen. Ich werde dir einen Sumo-Ringer zeigen, wo in Wirklichkeit ein hungerndes Kind ist. Aber du musst das glauben, denn wenn du die Wahrheit kennen würdest, könntest du wieder anfangen zu essen und unsere Beziehung würde zerbrechen….

Manchmal wirst du rebellieren. Du wirst das kleine rebellierende, fieberhafte Gefühl, das in deinem Körper zurückgeblieben ist bemerken und du wirst dich runter in die dunklen Küche wagen. Die Kühlschranktür wird sich ,leise knarrend, langsam öffnen. Deine Augen werden das Essen streifen, dass ich in sichern Abstand von dir aufbewahrt habe. Du wirst deine Hände lethargisch, wie in einem Albtraum durch die Dunkelheit nach einer Packung Cracker greifen sehen. Du stopfst sie in dich hinein, mechanisch, nicht wirklich schmeckend, aber einfach genießend, dass du etwas gegen mich tust. Du greifst nach einer weiteren Packung, einer weiteren, einer weiter, einer weiteren. Dein Magen bläht sich auf und fängst an lächerlich auszusehen, aber du willst nicht jetzt schon aufhören. Und die ganze Zeit schreie ich dich an aufzuhören, du fette Kuh, du hast du hast wirklich keine Selbstkontrolle, du wirst fett werden.

Wenn es vorbei ist, wirst du dich wieder an mich ranklammern, mich nach Rat fragen, weil du wirklich nicht fett werden willst. Du hast eine der Hauptregel gebrochen und willst mich jetzt zurück. Ich zwinge dich ins Badezimmer, auf deine Knie, du starrst ohne Gefühl in die Kloschüssel Deine Finger werden in deinen Rachen gesteckt und nicht ohne eine große Menge Schmerz wird dein Essen rauskommen. Wieder und wieder wird dass wiederholt, bis du Blut und Wasser spuckst und du weißt, dass alles raus ist. Wenn du aufstehst, wird dir schwindelig sein. Werde nicht ohnmächtig! Stehe aufrecht! Du fette Kuh , du verdienst es Schmerzen zu haben. Vielleicht entscheide ich mich bald anders, um dich von dem Gefühl der Ertappung zu befreien. Vielleicht bringe ich dich dazu Abführmittel zu nehmen und du wirst bis in die frühen Morgenstunden auf dem Klo sitzen, mit einem drückendem Gefühl in dir. Oder vielleicht ich bringe dich dazu dich selbst zu verletzen, deinen Kopf vor eine Wand zu schlagen bis du schreckliche Kopfschmerzen bekommst. Ritzen ist genauso effektiv. Ich will, dass du dein Blut siehst, wie es deinen Arm runterläuft und in diesem Bruchteil der Sekunde wirst du merken, du verdienst ihn, egal welchen einen Schmerz ich dir gebe. Du bist deprimiert, besessen vom Schmerz und dem Verletzen. Du greift nach Außen aber niemand wird dich sehen oder dir zuhören. Wen interessiert’s? Du verdienst es; du hast es selbst über dich gebracht.

Ist das Rauh? Willst nicht, dass das mit dir passiert? Bin ich unfair? Ich tue Sachen die dir helfen. Ich mache es möglich für dich aufzuhören an deine Gefühle zu denken, die die Ursachen für deinen Stress sind. Gedanken der Wut, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Einsamkeit können sich verziehen, denn ich fülle deinen Kopf mit dem Kalorien Zählen. Ich vernichte deinen Kampf um mit anderen Kindern deines Alters Zeit zu verbringen. Denn jetzt bin ich deine einzige Freundin. Ich habe einen Schwäche. Aber wir dürfen keinem davon erzählen. Wenn du dich entscheidest gegen mich zu kämpfen, jemanden zu erreichen und ihm zu erzählen, was ich aus deinem Leben mache, wird alles zusammen brechen! Niemand darf es erfahren , niemand kann die Schale brechen, mit der ich dich bedeckt habe. Ich habe dieses dünne, perfekte, beneidenswerte Kind geschaffen. Du bist mein, nur mein. Ohne mich bist du nichts. Also kämpfe nicht gegen mich! Wenn andere Bemerkungen machen, ignoriere sie. Beschleunige dein Tempo, vergiss sie, vergiss alle, die versuchen mich von dir weg zubekommen. Ich bin dein größter Gewinn und ich habe vor sie von dir fern zu halten.

Mit freundlichen Grüßen,
Ana

Nachzulesen z.B. hier: Anas Brief

Dieser Artikel dient nur der Wiedergabe von „Anas Brief“. Kritische Besprechungen und Reflektionen erfolgen an dieser Stelle nicht. Ich möchte jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass niemand dieses – nennen wir es mal Motivationsschreiben …  als seine Lebensmaxime verwenden sollte.

Liebe Grüße,

Eure me.ipsum

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