hungry blog – Leben, Alltag und Essstörung aus dem Blickwinkel einer Betroffenen

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Ich bin es leid.

Oktober 17, 2009 · 7 Kommentare

„Normalgewicht – so einfach, schön und wundertoll!“

An die Propagandisten solcher Einstellungen…

Dieses Blog ist nun wirklich nicht pro Ana*. Dieses Blog gibt zu, subjektiv zu sein – nein, es macht sich zur Aufgabe, höchst subjektive Empfindungen darzustellen. By the way, das haben Empfindungen so an sich. Ich betreibe hier keine Wissenschaft, ich recherchiere nur in meiner Seele und meinen Erinnerungen. Ich rufe niemanden zum Hungern, Fressen oder Fasten auf. Aber ich weise darauf hin, dass es von allem mehr als eine Seite gibt und dass es das gute Recht der Kranken/“Betroffenen“ ist, eine Lobby zu bilden. Die Alkoholiker meinen, sie könnten kontrolliert trinken, die Depressiven und Schizophrenen versuchen eine Ebene zu finden, auf der sie existieren können. Nur die Magersüchtigen sind die Antichristen, weil sie nicht das non plus ultra Vollremision anstreben?

Aha. Ist ja interessant. Welche Abteilung will die Vollremission? Die Innere Medizin? Die Onkologie? Nein?! Ach, die gemeine Psychiatrie ist es, oh! Welch interessantes Ziel, höchst lobenswert. Und in einigen Fällen v.a. eines: höchst dummdreist. Mit Verlaub, was ein Mensch mit seiner Seele anstellt, ist seine Privatangelegenheit. Und jede Argumentation mit der Totschlagthese zu erwürgen, die Sicht sei gestört, der Mensch verblendet, ist nicht nur primitiv, sondern auch ziemlich oberflächlich.

An dem Punkt, an dem Bewusstsein einsetzt, und das tut es auch bei dem noch so verblendeten Anorektiker für einen gegebenen Wert von Zeit irgendwann, findet hier eine Diskussion statt. Und diesbez. spreche ich vor allem, wenn nicht ausschließlich, von chronisch Kranken. Ich rede nicht von Teenies, die durch eine Diät in den Abgrund der Magersucht abdriften und ihr Leben damit zerstören, unbewusst, unkontrolliert, fatal. Sondern ich rede von Leuten, die Jahre mit ihrer Krankheit verbracht haben, für die es mehr ist als eine Kompensation oder ein Liebesersatz oder ein Aufmerksamkeitsdefizit. Für die es ein Inhalt geworden ist, der emotionale und philosophische Bedeutung hat. Das sind Leute, denen mit der 20. Magensonde auch keiner mehr hilft. Und ehe die Medizin das nicht begriffen hat, wird ihr das Wesen der Magersucht auf diesem Gebiet eben verschlossen bleiben.

Wenn die Magersucht nur eine einfache psychische Krankheit wäre, könnte man sie mit Sicherheit besser behandeln.**

*im Sinne der Anschauung in den Medien, bitte andere Artikel beachten!
**Dies ist natürlich relativ zu sehen – worauf ich anspiele ist die hohe
Todesrate, die sie unter psyhischen Krankheiten zweifelsfrei in eine
Sonderstellung bringt – das muss wohl einen Grund haben…
und dieser Grund ist der massive Krankheitsgewinn.

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Zwiespalt des Hungerns

August 30, 2009 · Kommentar schreiben

oder

„Schlafen und Essen“

Ja, es stimmt wohl. Zufriedenstellende Lebensbedingungen und Hungern sind nicht kombinierbar. Vor ein paar Wochen habe ich noch wie ein Stein geschlafen. Mittlerweile habe ich wohl wieder ein bestimmtes Gewicht unterschritten (ich hab keine Waage, aber ich merke es mittlerweile einfach). Das, ab dem alles anstrengender und der Schlaf schlechter wird. Ersteres stört mich nicht so sehr, aber Schlaf ist schon etwas, das ich mit Leistung verbinde, dem einzigen Gut, was ich noch über meine Essstörung stelle. Nun ja, vielleicht auch noch etwas übertrieben, man könnte noch Liebe und Freundschaft hinzunehmen, das sind ja immer diese ideellen Fragen. Ich muss allerdings sagen, dass ich glaube, dass man etwas so fast schon materielles und praktisches wie eine Essstörung wohl eher nicht gegen die Zuwendung eines Menschen aufwiegen kann. Ich glaube sogar, dass selbst der besorgteste Freund, der einem ungemein wichtig ist, nichts ausrichten kann, wenn man so tief in der Störung vergraben ist. Dass man ihn oder sie dennoch liebt, ist kein Widerspruch, wo hätte man mit dem Vergleich schließlich ansetzen sollen? Schön aber auch nicht.

Manchmal denke ich allerdings darüber nach. Ich frage mich, was ich tun würde, würde ich vor so ein Ultimatum gestellt. „Wenn du mich liebst, dann iss.“ Ich habe zwei Beziehungen deshalb beendet. In der ersten z.B. nahm ich von 37 auf 42 kg zu, dem Freund zuliebe. Danach war ich nicht mehr imstande, Gefühle für ihn zu empfinden, denn ich sah dieses Gewicht als etwas, was er mir angetan hatte.

Dann denkt man also darüber nach: was ist das geringste Übel? Obwohl sie lächerlich sind, zwingt man sich zu dieser Art von Entscheidung. Schlafen oder Essen? Ruhe oder Laufen? Magenschmerzen oder schlechtes Gewissen? – Kraft haben oder Dünn sein – Studium oder Magersucht? Und dann ist man wieder da, wo man angefangen hat…

Es gibt einen Punkt in der Schwebe, an dem man noch nicht zu untergewichtig ist, um vollkommen zu versagen, aber auch nicht so dünn wie die Frauen auf den Bildern. Ich glaube, ich komme langsam wieder darüber hinaus, oder darunter, wie man es sehen will. Ich fühle mich nicht gut, ich habe nicht die normale Kraft, aber ich komme zurecht. Was passiert, wenn es noch weniger wird, weiß ich nicht, oder will ich nicht wissen. Ich will leben, ohne jeden Tag in den Spiegel zu sehen und enttäuscht von mir zu sein. Aber enttäuschen kann man sich auf viele Weisen. Wenn die Sucht nach weniger so zerstörerisch wird, dass ich nicht mehr genug lernen kann, werde ich mich dafür genauso hassen wie für eine beliebige Zahl zugenommener Kilogramm.

Man kann es nicht vergleichen. Irgendetwas wird immer passieren. Meine Prioritäten haben sich schon geändert. Früher hätte ich nicht darüber nachgedacht. Früher musste ich auch lernen, habe weitergemacht „bis zum Umfallen“ und es vielleicht teilweise gar nicht bemerkt, in Betäubung durch die Hungereuphorie. Heute ist es eben anders. Ich habe Angst, die ich als Jugendliche nicht hatte. Ich will etwas, das mir wichtig ist, nicht aufgeben für eine Krankheit. Aber leider ist die mir oft selbst viel zu wichtig.

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Äußere Einflüsse

August 11, 2009 · 3 Kommentare

Vor ein paar Tagen bin ich über eine Studie gestolpert, in der es um Einflussgrößen auf das menschliche Abnehmverhalten ging. Es ging genauer gesagt darum, dass das Abnehmen leichter fiele, sobald man eine Kontrolle von außen habe (die Waage) und die Effektivität einer Diät im Endeffekt von der „Beeinflussbarkeit durch äußere Faktoren“ abhängig sei.

Was will das sagen?

Also. Wenn jemand leicht zu beeinflussen ist, müsste er nach dieser Theorie ebenso leicht abnehmen wie zunehmen, man stelle sich z.B. vor, dass die beste Freundin etwas über die mollige Figur sagt und man anfängt zu hungern, oder aber man im Fernsehen Spaghetti sieht und eine Fressattacke erleidet. So in etwa stelle ich mir das jedenfalls vor. Wohingegen die „gefestigten Persönlichkeiten“, die sich weder von Waage, noch von Menschen oder dem Anblick leckeren Essens aus der Ruhe bringen lassen – und die es meiner Meinung nach nicht gibt – nur einen Grund brauchen, der gut genug ist, um dann von alleine durchzuhalten.

Kann das sein?

Egal. Ich dachte dabei unweigerlich an mein Hungerverhalten, anorektischen Alltag und die mehr oder weniger vorhandene Konsequenz in diesem Handeln. Esse ich den verfluchten Magerjoghurt oder lasse ich es sein?

Wenn ich auf die Waage steige, geht es mir danach meistens nicht besser. Gar nicht besser. Habe ich zugenommen, ist der Tag gelaufen. Ist es gleich geblieben, bin ich mir sicher, morgen dafür zuzunehmen. Und wenn es weniger ist, habe ich den ganzen Tag über Panik, dass ich mich zu sehr „vollfresse“. Ich bin also der Klassiker – armer Junkie. Abhängig von äußeren Faktoren wie meiner Waage. Jahrelang hat sie mein Leben bestimmt.

Ein anderes gutes Beispiel ist meiner Meinung nach die Kleidung. Hier kommen wir zum Pro Ana Stuff: ich habe in einer dieser Tipps&Tricks-Sammlungen für angehende Hungerkünstler vor geraumer Zeit einmal den Hinweis gefunden, enge Kleidung zu tragen. Diese würde einen quasi ermahnen, sobald man zu viel gegessen habe. (Lassen wir außen vor, dass mir die meisten meiner Hosen mittlerweile zu weit sind, stellen wir uns vor, ich hätte eine Skinny Jeans) … Die enge Klamotte spannt also und man lässt das Essen – vorausgesetzt, man ist ein Äußere-Faktoren-Junkie. Ist man das nicht, muss man sich von innen heraus zügeln oder wird gar nicht erst irritiert. So weit die Theorie… Ich persönlich neige ja zu Fressattacken, wenn mir die Kleidung eng vorkommt, als Strafe für die Hässlichkeit, die ich mir dann ohne viel Zögern in direkter Relation zugestehe.

Die logische Schlussfolgerung:

Was sagen uns diese Überlegungen? Es sei nicht geklärt, ob Anorektiker leichter zu beeinflussen sind als andere Menschen; ich denke, dass sie oft Perfektionisten sind und damit in vielerlei Hinsicht empfindsamer. Also sehen sie vielleicht Dinge, die Anderen nicht auffallen und wenn sie „beeinflussbar“ sind, so könnte es da ein größeres Spektrum an Einlussgrößen geben, aber das sei – wie gesagt – dahingestellt.
Wenn so eine „Beeinflussbarkeit“ da ist, kann man sie für sich nutzen (wenn man abnehmen will), und zwar, indem man sich gezielt triggert - was, wie ich glaube, nicht wenige tun. Diese Empfindsamkeit kann sich aber genausogut gegen einen kehren, kann Verletzlichkeit und den seelischen Einbruch bedeuten.

Über das Für und Wider von Triggern lässt sich streiten. Ich glaube, dass Trigger eine Form der Motivation ist und man diese Selbstmotivation nicht so einfach unterbinden kann, sobald man sie einmal entdeckt hat und den Willen entwickelt, seine Störung zu erweitern. Dann wird man das einfach tun, und wenn es unbewusst ist. Aber das interessiert mich nicht so sehr. Wichtiger war es mir, zu sagen, dass ich es gut fände, wenn man sich dessen bewusst wird. Ob man sich leicht beeinflussen lässt oder nicht – und das ist ja nicht unbedingt etwas Manipulatives. Beeinflussen klingt immer so nach Ferngesteuert werden. Das meine ich aber nicht. Es ist eher diese Empfindsamkeit, welche ich für die Ursache solcher Phämomene halte. Das ist an sich nichts Negatives. Schlecht wird es nur, wenn man sich selbst vergisst.

Könnte man nicht empfindsam sein für tolle Dinge?
Nicht die Waage, sondern das schöne Wetter. *klick* Gute Laune!
Nicht die zu enge Hose, sondern die 1 in Mathe. *klick* Welt super!

Oder wie heißt es so schön:
„Das Leben ist furchtbar… – Oh, Kuchen!“

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Manchmal geht alles unter

August 4, 2009 · Kommentar schreiben

Wenig essen, weniger, Gewohnheit. Nach ein paar Jahren mehr Alltag als Angewohnheit. Unkaputtbare Kaputtheit sozusagen, ein bleibender Schaden. Ich lebe so in meinen Tag hinein, esse mehr oder weniger und harre der Dinge, die da kommen. Dann kommt das Wintersemester und schiebt den Gedanken einen Riegel vor. Es ist jedesmal aufs Neue erschreckend, welchen Einfluss diese kleine Veränderung für mich hat. Ich wache morgens auf und die Zahl auf der Waage ist mir egal. Ganz egal. Ich verschwende keine Zeit und greife zum nächsten Buch. Essen kann ich trotzdem nicht. Es geht entweder vollkommen unter oder der Nachschub an Nahrung für die Arbeit mit den grauen Zellen kommt schlagartig. Richtigen Hunger habe ich immer noch nicht, ich kann mich nur schlechter konzentrieren. Der Rest basiert auf Logik, nicht auf Einsicht. Ich muss etwas essen, sonst … kippe ich um, lasse nach, mache schlapp,… was auch immer. Es wird gegessen und weitergemacht. Ein bisschen Routine, ein bisschen Überwindung. Weniger aber als an all den anderen Sommertagen, die dem nahenden Stress vorangegangen sind. Ich stopfe etwas Essen in mich hinein und denke nicht weiter darüber nach. Die Verdrängung funktioniert wirklich effektiv. Ich verschwende keinen unnötigen Gedanken daran… eigentlich das, was ich mich in der freien Zeit immer wünsche, worüber ich mir stundenlang den Kopf zerbreche: Warum kann das Essen für mich nicht Nebensache sein? Aber auf diese Art und Weise wird es zum Hauptproblem.

Jetzt sitze ich da und schreibe darüber, aber eigentlich will ich nicht wirklich daran denken. Das schlechte Gewissen kommt nur nachts und erinnert mich an meinen Mageninhalt oder die vielen Stunden, die ich gesessen und gelesen habe, statt mich selbst manisch durch die Stadt zu jagen. Aber selbst das kann ich abschütteln und mir sagen, dass ich schließlich schlafen muss, weil morgen wieder ein langer Tag wird.

Die Frage bleibt. Warum geht es nicht einfach so? Wenn man grad will. Wenn es grade hilfreich wäre. Wenn ein Freund einem die Hälfte seiner belegten Brote anbietet – mit den eigenen Lieblingsspeisen belegte Brote auch noch! Abartig. Dann kommt die innere Stimme und schüttet wüste Beschimpfungen über mich aus.

Egal.
Alles ein bisschen egal.
Nicht nachdenken ist auch eine Möglichkeit, sich zu entscheiden.
Vielleicht ist es sogar keine schlechte Entscheidung.
Ich habe jetzt schon seit fast zwei Monaten keine Waage mehr. Es geht mir nicht schlechter dadurch. Erschreckenderweise habe ich, wenn ich Freunde besuche, immer noch Recht, wenn ich wie gewohnt vor dem Wiegen schätze. Aber da ist auch ein neues, gutes Gefühl. Ich kann erahnen, was ich brauche und was nicht. Natürlich nicht, um Normalgewicht zu halten. Das ist mir immer noch zutiefst zuwider. Der Gedanke daran führt schon zu inneren Bestrafungszeremonien und Hasstiraden gegen das schwache Ich. Aber es ist nicht – und ich meine nicht im Geringsten – so schwer, wie ich gedacht hatte, ohne Waage zu leben und ohne Waage zu regulieren, was man täglich zu sich nimmt und wieviel. Ich bin mir sicher, dass ich keine Ahnung habe, was eine normale Portion ist. Ich weiß auch, dass ich die in der nächsten Zeit nicht erreichen werde, vermutlich nie. Aber es tut gut zu wissen, dass man nicht vollkommen orientierungslos wird, nur weil man sein Messinstrument aufgegeben hat.

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Erholung des Stoffwechsels nach langer Hungerphase

Juli 16, 2009 · 1 Kommentar

So lange nichts gegessen. Gehungert, gequält, immer weiter reduziert… Jetzt ist sie übergroß, die Angst zuzunehmen. Aber man müsste mehr essen. Man müsste essen können. Den Stoffwechsel reanimieren.
Ist das möglich? Und wenn ja, wie?

Warum Hungern nichts bringt

Hungern heißt für mich, unter 900 kcal zu essen. Meistens habe ich unter 600 zu mir genommen, aber eigentlich ist auch unter 1500 schon Hungern für den menschlichen Körper (normal große Frau, > 160 cm, ca. 50 kg). In Kliniken heißen 1200 kcal „Reduktionsdiät“. Dort werden selbst Übergewichtige nicht auf 500 kcal/Tag gesetzt, denn das führt nur zu folgenden Reaktionen:

  • der Körper schaltet auf den Modus „Hungersnot“ und damit auf Sparflamme, der Energiehaushalt der Körperfunktionen wird quasi eingeschränkt
  • der Grundumsatz (grob: 24 x Körpergewicht in kg) wird also reduziert
  • man nimmt erst schnell ab (2 kg Wasser, denn bei der Umwandlung von Glycogen – der Speicherform von Kohlenhydraten – in Glucose scheidet der Körper Wasser ab) und dann kaum noch
  • überschüssige Kalorien werden in Fett umgewandelt
  • bei zusätzlicher Belastung (z.B. Sport) baut der Körper in gleichen Teilen Fett und Muskelgewebe ab

Das bekannte Resultat davon heißt Jojo-Effekt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens auch die sog. „Set-Point-Theorie“.

Hungern heißt also zu wenig zu essen. Auf Dauer führt das zum Abnehmerfolg, ob nun gesund oder nicht. Die Energie von außen fehlt, also isst der Körper sich selbst auf.

On diet forever?

Aus Angst, nach einer extremen Reduktionsdiät (alias Magersucht), schnell wieder zuzunehmen, bleibt es bei vielen Essgestörten auf Dauer an der Tagesordnung, unter 800 oder weniger kcal zu essen. Die Angst ist im Allgemeinen erst einmal berechtigt. Denn wenn man wieder mehr isst, nimmt man zu. Und zwar vor allem Fettgewebe.

Trotzdem wäre es sinnvoll, den Stoffwechsel zu aktiv zu rehabilitieren. Und zwar nicht durch sog. „Refeeds“ (Aufbautage inmitten einer Hungerphase), sondern durch Kostaufbau. Ich weise an dieser Stelle übrigens darauf hin, dass dies meine persönliche Theorie ist. Ich habe sie an mir selbst ausprobiert und mit einigen Menschen diskutiert, die ähnliche Erfahrung gemacht haben. Sie ist natürlich nicht wissenschaftlich fundiert!

Wie funktioniert das?

Um eine Regeneration des Stoffwechsels zu erreichen, muss man im Prinzip „einfach nur essen“. Man nimmt ca. 2500 kcal zu sich. Das muss nicht von einem Tag auf den anderen geschehen. Diese 2500 kcal führen noch nicht dazu, dass der geschwächte Körper rapide zunimmt. Vielleicht kommt es einem so vor, aber im Prinzip erreicht man so mit normaler Bewegung in einer Woche vielleicht 500g Zunahme. Der Körper verbrät die Kalorien nämlich zunächst einmal für die Aufbesserung des Blutbildes. Man könnte auf diese Weise ca. 4 Wochen lang „normal“ essen. Es sollte aber auch tatsächlich gesunde Nahrung sein, ein paar Vitamine schaden nie. Sport und Bewegung muss nicht ausgeschlossen werden, sollte aber nicht mehr als zuvor sein.

Nach 4 Wochen ist der Stoffwechsel weitgehend erholt. Man erkennt das z.B. an einem Zuwachs an Kondition, regelmäßigem Stuhlgang und Hungergefühl.

Wenn diese Zeit vorbei ist, hat man vielleicht 2-4 kg zugenommen. Ich weiß, dass das hart klingt, ich würde es selbst nicht wollen, mich dagegen sträuben, aber es bringt nichts, sich dauerhaft Nahrung vorzuenthalten, die man braucht, um die 30 zu erreichen. Und v.a. wenn es auch mit mehr kcal geht. Das ist eine Kopfsache. Man muss es wollen, sonst wird es nie funktionieren und man wird immer wieder auf unter 500 oder werweißwiewenig verfallen.

Nach dieser Zeit kann man die Kost wieder reduzieren. Jedoch nicht auf 500 oder ähnliches, sondern langsam, auf 2400, 2300, 2000 usw. Man muss ausloten, wie viel genügt, um abzunehmen. Und es ist erstaunlich viel, das man sich plötzlich erlauben kann! Vielleicht kann man auch etwas mehr Bewegung nutzen, um sich Sicherheit zu verschaffen, aber das muss auch nicht unbedingt sein. In jedem Fall hat man nach dieser „Fresskur“ den Umsatz wieder gesteigert und wenn man nicht den Fehler macht, sofort wieder mit dem Hungern anzufangen, kann man u.U. etwas schaffen, das viele Esssgestörte nie erreichen werden: eine Ernährungsumstellung.

Ich möchte zum Abschluss noch darauf hinweisen, dass dies hier keine Diät-Anleitung ist und auch keine Einladung zur Magersucht. Ich möchte lediglich meine Erfahrung mit anderen Esssgestörten teilen, vielleicht hilft es dem ein oder anderen Menschen. Ich fand den Effekt selbst sehr überraschend, ich habe das über mehrere Wochen gemacht und seitdem kann ich 1500 kcal essen und nehme dennoch weiter ab. Mein BMI ist ca. 16,5 zur Zeit. Ich bin mir sicher, dass einige das für nicht besonders wenig halten. Über mein „Ziel“ möchte ich aber hier keine ausführlichen Aussagen machen, ich denke, das ist so öffentlich nicht sinnvoll. Wer noch Fragen zu dem Thema hat oder wen andere Dinge in Bezug auf solche Themen interessieren, der kann mir gerne schreiben. Ich bin auch bereit, auf Wunschthemen einzugehen, sofern ich Material vorliegen habe!

Liebe Grüße und ein besseres Leben wünscht euch eure „me“

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Manchmal ist auch die Magersucht nicht mehr als eine chronische Krankheit

Juli 8, 2009 · 2 Kommentare

Wenn es mir gut geht, ist das Hungern oder das, was die behandelnden Ärzte Magersucht nennen, für mich durchweg gut. Ich nenne die Anorexie individuell, frei, ehrgeizig… Ich weise ihr Attribute zu, die man grob unter Perfektion zusammenfassen könnte.

Wenn es mir schlecht geht, sieht das ganz anders aus. Das Nicht-Essen verliert seinen Glanz. Es strahlt nicht als erhabene Eigenschaft aus dem so fahlen Menschsein hervor, sondern es ist die personifizierte Unfähigkeit geworden.

Ich sitze auf meinem Stuhl, die Knochen tun mir weh. Seit Stunden habe ich nichts gegessen. Nun bin ich wieder zu Hause und weiß, dass ich essen müsste. Oder sollte. Dass es die Zeit dafür wäre und ich Hunger empfinden würde, wäre ich ein normaler Mensch. Ich warte ein wenig, aber der Hunger kommt nicht. Natürlich nicht. Er hat sich daran gewöhnt, enttäuscht zu werden und so hat er es für die Mehrzahl der Tage eines Jahres aufgegeben, persönlich zu erscheinen. Er schickt nur manchmal seinen Handlanger, den Appetit vor.

So sitze ich da und überlege, was ich essen könnte. Und warte und warte und esse letztlich nichts oder fast nichts. Ich kann nicht. Eine innere Schwere zieht mich, drückt mir auf den Brustkorb. Erst halte ich es für Übelkeit, wie beim Hunger, aber es ist nicht das gleiche. Es ist Bedrängnis. Traurigkeit. Es geht mir nicht gut. Früher habe ich gegessen, wenn ich deprimiert war. Oder wütend. Mittlerweile ist es anders, oder vielleicht ist das Gefühl auch anders. Was es auslöst, ist jedenfalls nicht mehr Essen. Sondern Zögern. Ich horche in mich hinein und suche den Hunger. Er kommt nicht. Ich sehe keinen Sinn im Essen, ich fühle nichts, ich lasse los und suche mir eine andere Beschäftigung.

Das ist sie, die andere Seite meiner Krankheit. Lange Zeit war es nicht so. Ich hatte geglaubt, ich wäre es schon alles so sehr gewöhnt, dass das Leben damit kaum mehr eine Belastung darstellen würde. Und nun muss ich zugeben, dass es nicht so ist. Dass es gute Seiten gibt, die mir gefallen, die ich als Ästhetik ansehe, aber die eben nicht alles sind.

Ambivalent, fesselnd, bis erdrückend.

Eine Sucht.

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Normalgewicht = alles wunderbar?

Juli 6, 2009 · 3 Kommentare

Für eine Freundin

Der fünfte Arzt stellt mir die zum fünften Mal wiederholte Frage. Das Gewicht scheint sie alle zu interessieren. Die Zahl. Der BMI vor allem. Der BMI ist so eine Art allmächtige Zahl. Er bestimmt über gesund und krank, nennt einsichtig oder uneinsichtig, entscheidet über Einweisung und Entlassung. Der BMI ist die Götze der Klinikmagersüchtigen und ihrer behandelnden Ärzte.

Während die einen ihre Patienten mit 1,60 m Körpergröße fast bei dicken 55 kg sehen wollen, bevor sie ihnen abkaufen, dass sie jetzt wissen, wie viel man essen muss, um dort hin zu kommen, dürfen andere schon bei gängigen Modelmaßen und 17er BMI das Krankenhaus verlassen. Je nach Betragen wird über die Maßregelung des Delinquenten geurteilt. Manchmal hilft es, manchmal nicht. Manchmal fliegt man auch einfach raus, wenn man es nicht schafft. Oder wird entmündigt, staatlich verpflichtet, gesund zu werden. Denn gesund sein ist das Allerwichtigste in diesem Land. Niemand hat das Recht, seine eigene Gesundheit zu verwirken, außer durch Rauchen, Alkohol oder Drogen. Das kann man über Jahrzehnte betreiben, solange man davon nicht abmagert, ist es egal ob die Herzenzyme so mies sind, dass man jeden Moment das Zeitliche segnen könnte. Die teuerste Krankheit der Deutschen – Diabetes – lange nicht so geächtet wie Magersucht…

Bei Magersucht ist man quasi bis die magische Grenze 17,5 überschritten ist im (organisch oder psychisch-unvernunftbedingten ;-) ) lebensbedrohlichen Bereich. So jedenfalls scheinen es einige Doktoren zu sehen. Noch aufrecht mit 11er BMI die Klinik betreten, – zack – entdeckt, eingesperrt, entwürdigt. Nach Wochen erreicht man einen 14er BMI und bekommt Transportunfähigkeit bescheinigt, während man vor Wut mit der neu gesammelten Kraft die Wände einschlagen könnte.

Ist es das?
Bitte sagen Sie es mir!

Ist das die Hilfe, die Magersüchtige brauchen? Moderne Folter, Tristesse, Rechteentzug und Entwürdigung bis aufs Äußerste für eine Zahl?

Da wäre ich wieder an dem Punkt, wo ich mich frage, was die eigene Entscheidung eigentlich sein soll. Was ist das, wenn es einem genommen wird, sobald man sich selbst (und niemandem sonst) Leid zufügen könnte? Was interessiert den Staat mein Gewicht? Die Krankenkasse zahlt Unsummen, nur damit ich nach „erfolgreicher“ Mast die Therapie erneut boykottiere. Unbeugsam, Widerstand bis ins letzte. Stolz. Was soll das? Was haben sie davon? Und wenn ich ehrlich bin und gleich sage, dass es sinnlos ist – dann bekomme ich einen Betreuer oder was? Verbannung der Freiheit in die Welt der Gedanken. Wenn’s ums Überleben geht, hört der Spaß auf…

Das Warum, ja…

Es ist ganz einfach. Sie können nicht anders. Sie retten ja auch die Komatösen vor dem Tod, halten sich schlafend über Jahre. Sie verdienen an Chemotherapien, die mehr Nebenwirkungen haben als lebensverlängernde. Sie legen PEGs in die Mägen von Menschen, die fast 90 sind und die auch nicht mehr essen wollen. So ist das hier in unserem System. Wir haben keine Chance. Nur den Betrug. Sagen, was sie hören wollen. Die magische Zahl anstreben und unentwegt nicken. Chancenlos.

Ich weiß nicht, was ich dazu denken soll. Nicht genau. Wo freier Wille anfängt und ob ein Mensch das Recht hat, ihn so zu beschneiden, wenn dieser am Anderen keinen Schaden anrichtet. Ich kann es nicht beurteilen, – bin befangen. Ich habe Entwürdigung gesehen, zum Glück nicht so sehr erlebt. Aber ich bin jedesmal wieder aufs Neue schockiert. Kann nicht fassen, wie unmenschlich etwas sein kann, dass einmal eine der menschlichsten Disziplinen war: die Medizin.

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Magersucht und das Thema Gesundheit

Mai 20, 2009 · Kommentar schreiben

Gesundheit ist, wenn man nicht krank ist. Gesundheit ist wichtig, gut, wünschenswert, erstrebenswert, muss behütet werden, darf nicht infrage gestellt werden, ist ein ultimativer Wert. Jeder weiß, was Gesundheit ist! Oder?

Ich bin nicht gesund. Ich bin gestört, meine Gesundheit hat einen ansehnlichen Kratzer. Acht Jahre lang habe ich sie mutwillig geschädigt, mit Medikamenten, Sport, Sucht und Rasierklingen. Meine Gesundheit und ich standen uns nie besonders nahe. Es gab Zeiten, in denen ich sogar gerne krank und schwach aussehen wollte, nur um eine der unerreichbaren menschlichen Umarmungen zu erhalten. Um hinterher festzustellen, dass falsche Zuwendung und Fürsorge nicht besser ist als gar keine. Für mich jedenfalls nicht.

Gesundheit ist für mich assoziiert mit Körper. Schöne weibliche runde Körper. Frauen müssen diese kleine Wölbung unterhalb des Bauchnabels haben. Ich nenne das „Bienenbauch“. Dieses Wort habe ich mir als Kind irgendwann ausgedacht. Damals gab es noch keine Hüfthosen und wir hatten eine Englischlehrerin, die gerne Hosen trug, deren Bund genau in der Taille saß. Es sah grauenhaft aus. Unter dem Gürtel – der „Wespentaille“ – kam der „Bienenbauch“. Auch in Badeanzügen fand ich das sehr widerlich. Frauen, die keinen Bienenbauch hatten, fand ich also besonders schön, wohlgeformt. Die Bienenbauchfrauen waren und sind für mich eine Form der Weiblichkeit. Gebärfreudige weiche Wesen mit einem breiten Becken und Oberschenkel der Bauform Hähnchenkeule. Oben rund, nach unten spitz zulaufend, in der Mitte berühren sie sich, an einer Stelle, für deren Hässlichkeit ich keine Worte finde. Die Vorstellung solcher Beine macht mich traurig. Warum hat die Evolution die Frauen mit diesem überflüssigen Fett geschlagen? Und warum – auch das frage ich mich schon lange – haben die Schaufensterpuppen immer so gerade Beine ohne den Oberschenkelinnenseitenfettknubbel? Ist der etwa nicht gesund und schön und gehört dazu? Warum? Ihr Schweine!

Na ja, so viel zum Exkurs. Weiblichkeit ist gesund, normal und gut. Frauen müssen so aussehen. Gesundheit und Schönheit gehören also zusammen. Insofern war Magersucht für mich auch nie das Nacheifern eines Schönheitsideals, sondern vielleicht eher das Erschaffen eines eigenen Idealbilds. Meine Schönheit ist übertriebene, auffällige Zerbrechlichkeit, grazile Fragilität, Askese, Außergewöhnlichkeit. Das war es, was ich haben wollte. Eleganz.

Was mich übrigens zu einem weiteren Punkt bringt. Oft wird die Anorexie mit einer Regression gleichgesetzt. Der anorektische Mensch möchte in eine Kindform verschwinden, Verantwortung loswerden, sich verstecken, leicht und kindlich sein. Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat und ob es wahr ist. Ich selbst habe es jedenfalls nie so erlebt. Ich wollte nie Kind sein, meine Kindheit nachholen oder sonstetwas dergleichen. Meine Kindheit war nicht schön, Kinder sind unmündige, beschränkte, asexuelle niedliche Wesen. Nichts derartiges empfinde ich als erstrebenswert. Eleganz ist ein Attribut, das ein Kind nicht haben kann – es ist untrennbar ans Erwachsensein gekoppelt. Um Charisma, Eleganz, Ausstrahlung zu haben, muss der Körper, das Gesicht eine Lebensgeschichte oder Einstellung wiedergeben.

So kam ich zum Hungern. Selbstbestimmung und Anderssein. Mittlerweile hat es sich manches verändert. Ich habe andere Gründe. Aber ich bin nie ganz zu dem Punkt, an dem ich vielleicht als Teenager war, zurückgekommen, was die Vorstellung von Gesundheit betrifft.

Fassen wir es einmal zusammen: ich will ein Untergewicht halten. Ich nehme einige Mangelerscheinungen in Kauf. Ich esse wenig. All diese Dinge schränken die Gesundheit ein. Ich werde keine blühende Venus sein mit prallen Oberschenkeln. Und macht mich das glücklicher? Ja, macht es. In der Tat muss ich zugeben, dass ich länger mit Untergewicht gelebt habe, nicht extremes – immer ein BMI von um die 16, aber definitives Untergewicht. Und es ging mir psychisch gut. Mit Normalgewicht mag mein Körper glücklicher gewesen sein, ich konnte es wochenlang durchziehen, normal zu essen, aber innerlich hat sich nichts getan. Ich denke, das liegt daran, dass ich eine sehr feste Vorstellung von Schönheit habe. Und dass mir Dinge, die normalen Menschen wichtig erscheinen, gleichgültig sind. Gutes Aussehen war für mich immer ein gewisser Wert. Ich hatte eine Vorstellung davon, was eine schöne Frau ist und diese Vorstellung entsprach nicht der landläufigen. Ich wollte so sein. Das Deprimierende an der Sache ist nur die Sucht. Im Laufe meiner Bemühungen musste ich feststellen, dass mein Körper auf all diesen femininen Scheiß ausgelegt ist. Er will rund und rosig sein. Man kann ein breites Becken und bestimmte Veranlagungen nicht weghungern. Es geht einfach nicht. Ab einem gewissen Gewicht sieht es sogar richtig hässlich aus. Unförmig, schlecht verteilt, verzerrt. Das kann es also auch nicht sein… Man möchte es übrigens nicht glauben, für diese Erkenntnis habe ich ein paar Jahre gebraucht.

Welche Gesundheit wähle ich nun?

Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Therapeut, der das liest, sich etwas denken wird wie „Vielleicht könnte man das schon schaffen – mit etwas Arbeit an der Psyche, die hat ja offenbar nicht stattgefunden.“ oder „Verhaltenstherapie wäre hier bestimmt gut.“ Ach ja. Und dann? Dann bin ich also einer dieser glücklichen gesunden fetten Menschen und mag meine Cellulite und das Speckröllchen über dem Gürtel. Und alles ist gut und wahr und richtig so, denn es gehört ja zum Leben. Dann akzeptiere ich mich und meine Eigenheiten und mag mich so wie ich bin. Bitte einen Lappen, schnell! Ich kann diese schmierige Vorstellung nicht ertragen! Ich bin nicht so, ich bin nicht normal, und ich will es auch niemals sein, wenn das einzige, woran die Welt Gesundheit festmacht mein Gewicht ist!

Widerlich.

Diese Vorstellung von Gesundheit ist nicht besser als der hohlste Schlankheitswahn.

Meine Gesundheit ist im den Augen der Medizin vielleicht nicht vorhanden, für mich ist sie aber essentiell. Mit der Entscheidung, sich nicht zu Grunde zu richten und bewusst mit einer Essstörung zu leben, muss man auchVerantwortung für die eigene Gesundheit tragen. Ich esse kein Junkfood und lasse mein Blutbild bestimmen. Ich gehe nicht unter ein gewisses Gewicht und treibe keinen exzessiven Sport. Ich nehme keine Medikamente mehr um abzunehmen. In meiner Ernährung gibt es keine Tabu-Lebensmittel, nur welche, die mir nicht schmecken. Ich möchte sagen, ich bin nicht weit von einer ziemlich guten Ernährung entfernt, nur dass die Menge nicht stimmt… Mehr mag ich aber auch nicht. Und bis jetzt komme ich damit gut aus. Bis jetzt ist das für mich die beste Lösung.

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Angst

Mai 6, 2009 · Kommentar schreiben

Ein ziemlich hässliches Wort. Unberechenbar, grausam ist sie. Lässt einen nicht gehen, bis man ganz unten ist. Vielleicht ist Angst manchmal heilsam, aber oft ist sie einfach nur belastend. So wie im Moment. Man wacht auf und ist ein Symptomhaufen voll Übelkeit, Schmerzen und Unruhe. Man weiß nicht genau, was man seinem Körper nun schon wieder Böses angetan hat, aber auf jeden Fall rächt er sich. Das sind die Momente, in denen ich mir wünsche, normal zu sein. Einfach normal. Gesunde Zähne, weil man täglich in ein Brot beißt. Wache Augen, weil man Zucker in den Kaffee rührt und ein gesundes Lächeln, weil die Mundwinkel nicht vom Eisenmangel zerrissen und die Lippen spröde sind. Manchmal wäre das ganz schön. Manchmal hasse ich das alles. Vielleicht kann ich es wirklich nicht mehr. Bin einfach zu alt und bin es leid, so zu leben. Aber ein Ausweg fällt mir auch nicht ein. Bzw. ist diese Möglichkeit so weit in den Hintergrund gerückt, dass man vergessen hat, wie man sie umsetzen sollte. Und sollte man auch nur ein kleines Wort verlauten lassen, das ein winziges bisschen nach „Hilfe!“ klingt, wird man überrannt von Menschen, die gute Ratschläge im Rucksack umher tragen.

Ich will das nicht! Es geht nicht so, und schon gar nicht so schnell und einfach, wie ihr meint. Ich kann nicht auf Knopfdruck einsehen, was falsch und krank ist, weil ich es seit Jahren weiß. Jahre! Also Jahre in denen ihr kg-weise Butter gegessen habt. Ihr versteht es nicht und eure Bemühungen tun bloß weh oder entfernen euch von Menschen wie mir. Wir wollen das gar nicht hören, vielleicht wollen wir bloß, dass uns jemand zuhört. Allerdings ohne das 5x anzubieten. Einfach so, weil es ganz gut tut. Manchmal, nicht immerzu.

Ich weiß es auch nicht. Ich weiß nur, dass mein Leben mir manchmal zu viel wird. Und dass ich diese ganzen Anstrengungen nicht mehr aufrechterhalten mag, die notwendig sind, um so ein krankes kaputtes Leben zu bestreiten. Es ist lächerlich und furchtbar ermüdend. Immerhin weiß ich das. Werde sehen, wie die nächsten Wochen werden. Vielleicht etwas besser… Schlechter geht es kaum mehr. Man könnte noch mehr Selbstmitleid aus der hinteren Schublade holen und etwas darin baden, aber es reicht so. Ist gut, ist genug. Ich möchte lieber etwas Mut, ein bisschen Rationalität, verbunden mit Optimismus.

Wie geht das gleich?

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Hilflos ohne Waage

Mai 3, 2009 · Kommentar schreiben

Meine Waage streikt. Sie mag die Werte nicht mehr richtig anzeigen, nur Bruchstücke davon. Also muss ich raten, ob Komma 2 oder Komma 8 – ein Unterschied wie Tag und Nacht! Da denkt man also, man habe Körpergefühl, könne sein Gewicht problemlos schätzen und wisse schon im Bett vor dem Aufstehen, wie viel man heute wiegt. Ja, meistens ist das auch so… ich habe ein ganz gutes Gefühl dafür, wie viel ich zu- oder abgenommen habe, und was die Waage anzeigen wird. Enttäuschungen halten sich daher meist in Grenzen, positive Überraschungen aber leider auch. Man kann nur von sich selbst enttäuscht oder überrascht sein, nicht von der Waage. Die Waage ist für mich objektiv, was gut ist, denn ich bin es nicht. Aber sie ist eine Kontrollinstanz für eine Art der Kontrolle, die man selbst haben sollte: wird mein Tag heute ein guter, glücklicher oder nicht? Was geht das die Waage an? Die Waage ist der Ersatz für das Gefühl „Ich bin dünn“ oder eben nicht. Die Waage ersetzt quasi den Blick in den Spiegel, denn diesem traut man noch viel weniger als dem Blick auf den Bauch (ist er flach oder nicht – ein ordentlicher magersüchtiger Bauch muss morgens superflach sein, sonst hat man versagt). Sie erleichtert das Urteil. Und na ja, dass sie mir heute den Dienst verweigernd, finde ich wenig angenehm. Das einzige, was da hilft ist die Gewöhnung. Ich weiß auch so, wie viel ich wiege. Und drüber zu stehen, sich nicht einzubilden, die Anzeige würde irgendetwas ändern. Vielleicht ist das mal ganz gut… aber morgen gehe ich neue Battarien kaufen…!

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