Immer noch nicht tot. Unverschämtheit.

Ich war lange nicht da. Ich habe sehr viele Kommentare in der Zwischenzeit bekommen und gerade freigeschaltet. Leider waren einige davon so extrem, dass ich sie nicht veröffentlichen kann. Teilweise waren sie auch einfach nur verletzend. Ich weiß nicht, ob ich hier weiter schreiben werde, wenn so viele Menschen gegen mich sind. Dazu ein paar Gedanken in gewohnt zynischer Manier. Das bin ich vielleicht denjenigen, die gerne hier lesen, noch schuldig.

Wie kann sie nur noch am Leben sein, nach so vielen Jahren Essstörung. Und dann auch noch wagen, darüber zu schreiben. Was für eine unmögliche Einstellung, nach Therapieversuchen der Anzahl im zweistelligen Bereich, verteilt über weit mehr als ein Jahrzehnt, die Lust verloren zu haben, sich diesem angeblich so farbenfrohen, leckeren Leben zu öffnen und den konventionellen Mainstreamgenuss eines wonnegeprägten herzallerliebsten Seins auf sich zukommen zu lassen? Wie nur, was für eine anmaßende Person.

Ich sollte in Anbetracht mancher Kommentare eigentlich dieses Blog umbenennen. Denn offenbar sehen einige Menschen in mir eine Gallionsfigur der Pro-Ana Bewegung. Ich bitte euch deshalb darum, über den neuen Titel abzustimmen. Gerne dürft ihr auch eigene Vorschläge machen. Hier ein paar Ideen:

  1. Fressen und Hungern – aus dem Leben einer Geisteskranken
  2. Starving for Destruction – wie man langfristig sein Leben runiert und trotzdem noch Kiddies damit beeindruckt
  3. Ana – slow suicide und Spaß dabei
  4. Universaler Hunger – Tagebuch der Selbstzerstörung
  5. Bis einer weint – Essen und Nichtessen für Fortgeschrittene
  6. Der Hunger der Satten – Appetit und andere Unmöglichkeiten
  7. Bloggen statt Essen – Ein Hungertagebuch.

Wenn ihr also auch findet, dass dieses Blog in keiner Weise eine krititsche Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung und dem Thema Essstörungen in unserer Gesellschaft versucht, dann setzt diese Reihe fort. Wenn ihr findet, dass ich hier nichts anderes tue, als meine Erkrankung hochzustilisieren zu etwas, das sie nicht ist: perfekt und schön. Dagegen kann ich nichts tun. Ich habe dieses Blog gestartet mit dem Wunsch, unzensiert und offen über ein Thema zu schreiben, von dem die Leute entweder keine Ahnung haben und deshalb Angst davor, oder zu dem es schier unendlich viel Vorurteile gibt. Wie etwa das Vorurteil der möglichen Heilung. Jeder kann gesund werden, wenn er nur will. Und natürlich hat er gefälligst zu wollen, denn sonst begeht er Verrat an der Gesellschaft, den abendländischen Werden des Normalverbrauchers, seiner Familie und sämtlichen ungeborenen Kindern, die aus den im Tiefschlaf befindlichen Eierstöcken wohl nie entspringen werden.
Ja, ich habe das versucht. Ich hab versucht, klar zu machen, dass hinter einer Essstörung auch immer eine Person steckt. Eine Person mit einem Willen. Und dass dieser nicht normkonform nach Heilung rufen muss. Dass man vielleicht gar nicht um Hilfe ruft. Oder vielleicht auf einer komplett anderen Ebene. Einer Ebene, die nichts mit Zunehmen zu tun hat. Weil das vielleicht nicht das einzig Wahre ist, das was einem hilft, einem die Augen öffnet und na klar, erst dann könnte man wieder klar denken und sehen, wie dumm und falsch man gehandelt hat. Vielleicht möchte man eine ganz andere Form von Hilfe. Und vielleicht schreibe ich hier auch deshalb, weil ich es schön finde zu lesen, dass es nicht nur Intoleranz und (Vor)Urteile auf der Welt gibt, sondern auch ein paar wenige Menschen, die ähnliches erlebt haben wie ich. Die immer noch leben, es irendwie schaffen und die es sich komischerweise nicht als Lebensziel gesetzt haben, Pro-Ana-Anhänger zu werben und arme kleine Mädchen mit sich in den Tod zu ziehen. Denn vielleicht ist das auch einfach mal gar nicht das Thema. Es geht nicht immer nur um den worst case, ums Sterben und die Angst davor. Auf meinem Blog geht es um das Leben. Um das Auskommen mit sich selbst und den Alltag, der anders ist als der eines Menschen, der nicht übers Essen nachdenken muss. Ich verstehe. Ich verstehe ja schon. Das ist sehr verwerflich.

16 Antworten zu Immer noch nicht tot. Unverschämtheit.

  1. süße, dein blog ist toll so wie er ist, ich liebe ihn und dich und alles was du schreibst und hoffe, dass du ihn nicht schließen wirst. lass dich doch von den affen da draußen nicht so runtermachen. du bist toll und völlig in ordnung; dein blog ist ein richtiger “klassiker” ;) das einzige was nicht so toll ist: du schreibst zu selten ;)
    hab dich lieb ;)
    deine mina

  2. Dein Blog ist in meiner Liste nach wie vor auf Platz eins aller ES-Blogs. Und wird da auch bleiben, als einziges deutschsprachiges Blog, das mir wirklich hilft. Besser als Therapie, welche für mich nie funktionieren wird, nie funktioniert hat. Wer hier liest und den Schluß zieht, Deines sei ein Pro-Ana-Blog, der hat es nicht richtig gelesen, oder will/kann einfach nur nicht richtig nachdenken, oder noch einfacher: will einfach nur verletzend sein. Bitte ändere nichts! Dein Blogname, Dein Stil, Deine Ehrlichkeit, der Sarkasmus: alles ist richtig so, wie es ist. Genau so. Kopf hoch. Du bist niemandes Fußabtreter!

  3. Liebe Me,
    Ich kann mich den Vorpostern nur anschließen.
    Behalte deinen Blog bei und ignoriere bitte Stimmen, die dir einflößen wollen, du würdest für Pro Ana und Selbstgeißelung missionieren. Jeder deiner Stammleser, auch ich seit eh und je, weiß deine Texte mehr als zu schätzen. Ich möchte behaupten, du hast im Deutschsprachigen Raum mitunter den informativsten, fesselndsten und lesenswertesten Blog zum Thema ES. Und das ganz ohne großes Tamtam mit Bildern, Ausschmückungen, genauen Sitautions-, Personen-, oder Zahleninfos und trotzdem ist dein Blog doch irgendwo vertraut und intim. Der letzte Artikel ist solange hergewesen und trotzdem hagelte es Kommentare, wie du siehst ist das Interesse groß und dabei ist es ja selten ein Wunder, dass negative Kommentare ausbleiben – gerade bei einem Thema das mehr als angreifbar macht und Möglichkeiten für persönliche und (anscheinend) verschwörerische Kritik bietet. Oh, und wir befinden uns im Internet ? True Story. Du weisst ja am besten, das dort wo man alles sagen kann und darf, dieses Recht auch für eher Unbefugte taugt. Nimm dir solche Sticheleien und Grundsatzdiskussionen nicht zu Herzen und berufe dich primär auf deine Gründe für das Bloggen und denke an all die Menschen, die hinter dir stehen und fast schon als Verbündete empfinden. Ich denke da vorallem an die vielen Kommentare zum Thema Heilung und Stoffwechsel. Soviele vertrauen auf deinen Rat und dein KnowHow, auch wenn du vielleicht nie die Rolle des Vorreiters und Magermessias angestrebt hast. Zu einer Ikone wird man gemacht – zu einer Essgestörten wird man. Du musst dich für nichts rechtfertigen. Nicht für deine Erkrankung, für deine Texte, die Existenz dieser Domain und vorallem nicht für die Interpreationen der einzelnen Leser ! Die Gedanken sind frei :}

    Ich wünsche dir alles Gute vom Herzen und denke dran, das Rückgrat hungert man sich höchstens metaphorisch weg ;)

    0. Haters make me Famous – würde Kritik doch bloß Kalorien verbrennen
    ;) ;) ;)

  4. Hey!

    Also ich kann irgendwie nicht nachvollziehen, warum man gleich Pro Ana ist, nur weil man nicht zwangsläufig gegen seine Krankheit kämpft und in deiner super sarkastischen Art über seine Krankheit schreibt.
    Also ehrlich… Pro Ana erkenne ich an anderen Blogs die einem förmlich ins Auge springen mit ihrem ganzen Glitterzeug und Thinspo etc.
    Wer aus diesem Blog einen Pro Ana Blog machen will… Tja, der kann irgendwie nicht lesen.

    Ich lese immer wieder gerne deinen Blog. Ich mag deine Art zu schreiben und einfach alles… Wie du dich ausdrückst, die Krankheit darstellst.
    Ich kenne kaum einen Blog im Internet der so offen und irgendwie auch humorvoll über seine Krankheit schreibt.
    Ich selber würde das gar nicht hin bekommen… Obwohl ich selber an einer Essstörung leide. Aber so zu schreiben… Dafür muss man einfach Talent haben.

    Ehrlich, lass dich von diesen Anti-Menschen nicht unterkriegen. Sie wollen wahrscheinlich nicht mal sehen, dass es Magersüchtige gibt und wahrscheinlich ist jeder der offen darüber spricht automatisch Pro Ana.
    Kann nur nicht nachvollziehen, warum sie bei deinem Blog auf solche Gedanken kommen. Immerhin stellen die Medien Pro Ana nun völlig anders dar!

    Also, Kopf hoch und lächeln :)

  5. Dein Blog mit seinen Einträgen ist einer der wenigen überhaupt, die ich jemals gelesen habe (und das waren einige), mit dessen Inhalt ich mich total identifizieren konnte. Ich lese zwar nur still mit, aber ich fände es total schade, nichts mehr weiter von Dir zu lesen.
    Lass die Anderen reden – wer denkt, dies sei hier Pro-Ana o.ä., hat sowieso etwas Elementares nicht verstanden. Und denke immer daran, dass das Internet all den Idioten endlich die Möglichkeit gibt, sich hinter der Maske der Anonymität so aufzuführen, wie sie es sich in “Echt” niemals wagen würden – einfach armselig.
    In diesem Sinne – viele Grüße :)

  6. Ich stimme den anderen vollkommen zu. Lass dich bloss nicht runterziehen von so Leuten, die nicht mal genügend Grips haben, um richtig zu lesen. Du bist eine der wenigen, deren Blog ich immer verfolge, und immer hoffe, was neues zu lesen von dir. Ich kann dich so gut verstehen, die Gefühle, Gedanken, ich finde mich oft wieder in deinen Texten, deswegen lese ich es so gerne. Hör nicht auf zu schreiben, lass es dir nicht vermiesen.
    Viele Leute können oder wollen es nicht verstehen, wie man so “leben” kann und trotzdem meinen sie sie müssten diesen blog lesen und sich einmischen, obwohl sie nicht das klitzekleinste Gespür dafür haben, wie es ist wenn man so ist und so leben kann.
    LG
    flüsterin

  7. Liebe Me,
    ich bin selbst essgestört, auf dem Weg der Besserung. Ich habe mich selbst rein in das Leben geworfen, schaue mich ängstlich um, genieße es freier zu atmen und habe die ES doch immer bei mir.
    Wer dich als “Pro Ana” sieht versteht deine Texte nicht.
    Sie gaben mir immer viel Mut und Verständnis, weil ich mich teilweise, wenn auch nicht immer, mit dir identifizieren konnte. Du hast oft dies in Worte gefasst, wofür sie mir fehlten.
    Eine ES lässt sich nicht von heute auf morgen ausschalten. Lässt sie das je…? Uns alle los, wo wir ihr doch bereit die Hand gereicht haben? Ich habe vor zwei Jahren von 200-400 kcal am Tag gelebt, wollte untergewichtig sein. Dünn sein, perfekt sein. Als ich es war, brach mein Körper zusammen, die Organe verweigerten fast den Dienst. Das war der Moment, in dem ich beschloss: Das ist es nicht. Ich bin mehr als eine Zahl, mehr als ein Gewicht. Ich lebe. Meine Geschichte extrem zusammengefasst, mehr benötigt es auch nicht.
    Seitdem kämpfe ich damit, dies beizubehalten. Mittlerwele konsumiere ich den normalen Tagesbedarf, mache hin und wieder Sport, habe die verbotenen Lebensmittel fast schon alle wieder gekostet und lerne mit dem Essen umzugehen. Immer wieder. Jeden Tag. Denn so mancher Gedanken will nicht verschwinden.
    Bitte schreibe weiter. Für die, die diesen Blog lesen und schätzen, aber vorallem auch für dich. Es ist eine besondere Form der Selbsttherapie und ich bin mir sicher, dass es dir eines Tages das Leben retten wird. Gib nicht auf.

  8. Hallo Me,

    dein Blog ist wunderbar, weil er die Wahrheit erzählt.
    Ich bin selbst essgestört, mein Gewicht war schon schlimmer, ein Bereich der mit einem Leben nicht vereinbar ist. Jetzt habe ich mein “Wohlfühlgewicht”, das natürlich unter dem BMI liegt, den man haben sollte. Alle sehen nur diese Zahl. Mir wurde schon ungefähr 100 mal profezeiht, dass ich dies und jenes mit diesem Gewicht nicht schaffen werde. Geschafft habe ich es trotzdem. Ich finde es einfach wunderbar, dass es noch andere Menschen gibt, die nicht so denken wie “Normalos”, die einen verstehen.
    Ich könnte ohne Probleme zunehmen, wenn ich nur wollte. Ich will es aber nicht und dass ist eine Sache, die keiner versteht.
    Wenn ich sage ich habe keine Lust zu essen (kennst du das?? Also wirklich keine Lust haben nicht nur sagen, dass man keine hat??), dann bekomme ich nur zu hören wie krank meine Gedanken nur sind und dass das einfach unverständlich ist.
    Bitte schreib weiter, hör nicht auf die Menschen, die es befriedigend, anziehend und toll finden, sich Essen in den Mund zu stecken.

    Mach weiter so, gib uns mehr zu lesen, es spricht uns aus der Seele,

    Selina

  9. Liebe Me,

    ich habe diverse Probleme mit der gesellschaftlichen Konstruktion von Essstörungen und deren Pauschalisierungen. Ich finde deinen offenen, erwärmend reflektierten Umgang auf verschiedenen Ebenen damit sehr stark. Ich finde es stark dass du dir die Definitionsmacht über deinen Körper nicht nehmen lassen willst und bitte dich auch das nicht zu tun. Kein Mensch kann definieren wie “krank” oder normal man sich “wann” zu fühlen hat und warum. Und Bilderbücher haben wir genug. Vom Bild der Magersüchtigen, die nur normal zu essen braucht und dann wird die Welt schon wieder ins Lot kommen.
    Ich habe auch nicht das Gefühl, dass du hier eine Ode auf Essstörungen schreibst, sondern sehe durchaus eine kritische Auseinandersetzung. Ich sehe die Abwehr gegen “dann wird alles wieder normal” und die Absprache des Normalseins und des “normal”-leben-wollens.
    Vielleicht aber, habe ich da einiges durcheinandergebracht. Dann bitte ich zu korregieren. Ich denke aber die Welt der Blogs ist auch dafür da mit einer ich Perspektive Tabuisierungen zu durchbrechen.
    Und damit das nicht missverstanden wird. Ich finde Magersucht ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Dennoch hat jede_r Betroffene das recht so “normal” wie gewünscht zu existieren. Sofern eben und wo mensch eine gesellschaftliche Norm als erstrebenswert erachtet.

    Eine Bleibebitte einer nicht Betroffenen.

  10. Me immernoch am Leben. Beste Nachricht des Tages. Weiter Schreiben!

  11. Liebe Me,
    leider muss ich gestehen, dass ich heute zum ersten Mal auf deinen Blog gestoßen bin. Ich las die Texte, wie nichts anderes und bin absolut beeindruckt. Ich weiß durchaus, wie hart es sein kann sich mit der ganzen Welt anzulegen und wie viel Mut es benötigt über seine Gefühle zu sprechen oder seine Probleme und Sorgen. Genau aus diesem Grund finde ich das Schreiben so toll und wichtig. Ich selbst schreibe schon mein Leben lang und bin erst jetzt in die digitale Szene eingestiegewn. Mach weiter. Es ist toll zu lesen und wähle den Namen, der dir gefällt und lass nicht andere über dein Werk entscheiden. Das wäre nicht gut und würde dir nicht gerecht.

    Ab heute hast du einen ganz ganz großen Fan!

    Lieben Gruß

  12. Wer glaubt, dein Blog sei ein Pro-Ana-Blog hat keine Ahnung.
    Du stellst die ES nicht auf ein Podest, himmelst sie an und siehst nichts anderes mehr als sie.
    Nein, du nimmst die ES einfach als das an, was sie ist: Eine Krankheit und eine große Hilfe. Etwas, was dich umbringen kann, wenn du nicht aufpasst und gleichzeitig etwas, was dir hilft zu überleben.

    Die Einstellung, die du zu der ES hast, ist die, die sehr, sehr viele Essgestörte haben. Sie wollen keine Heilung an sich, sondern es nur so weit im Griff haben, dass sie überleben, aber dennoch schlank und dürr sind.
    Natürlich ist es nicht normal, sich in seinem Körper bei ganz normalem Gewicht nicht annehmen zu können. Natürlich ist es gestört und krankhaft.
    Aber wenn uns ein dünner Körper hilft, uns selbst besser anzunehmen: So what?
    Wenn wir nichts anderes haben?
    Wer ist denn dann so blöd und möchte das loswerden?
    Niemand.
    Niemand gibt das einzige, was er hat und was ihm wirklich hilft, freiwillig auf.
    Niemand.

    Und das hat nichts mit Pro Ana zu tun, sondern ist das pure Leben einer Essgestörten.

    Dennoch möchte ich dir meine Wünsche für dich nennen.
    Ich selbst bin nämlich seit mehreren Jahren essgestört, ich bin durch die Hölle gegangen und habe gelernt, dort zu leben. Zum Schluss war es dort auszuhalten; ich kam in der Hölle zurecht.
    Aber: Außerhalb der Hölle ist es wirklich schöner.
    Und ich wünsche mir für dich, dass du irgendwann auch aus der Hölle, in der du klarkommst, raustrittst und siehst, wie es außerhalb ist.

    Ich selbst bin zwar essgestört, aber dank vieler Therapien nun endlich auf dem Weg der Besserung. Ich habe im Februar letzten Jahres freiwillig neun Kilo zugenommen, weil ich weiß, dass ich eines Tages eine Familie gründen möchte. Das war scheiße und schwer und ich fühlte mich nicht gut; ich kam in der Hölle nicht mehr gut klar. Ich war an einen anderen Ort der Hölle angekommen, wo es mir nicht gefiel und ich konnte überlegen, ob ich schaue, was danach kommt, oder ob ich umkehre zu meinem altbekannten Ort.
    Ehrlich gesagt, wollte ich wieder umkehren.
    Doch dann erfuhr ich, dass ich schwanger bin.
    Total ungeplant, überraschend…
    Und ich wusste, ich kann es meinem Ungeborenen nicht antun, mit mir zusammen zu dem Ort in der Hölle zurückzukehren.
    Also bin ich weitergegangen und sehe nun, wie es außerdem dieser Hölle ist.
    Es ist schön.
    Ich war mit meinem Ort in der Hölle nicht unzufrieden.
    Aber jetzt bin ich glücklich.

    Es ist unbeschreiblich, dieses Gefühl, mich endlich frei bewegen zu können. Vorher hätte ich es nie für möglich gehalten.

    Ich habe zwar damit zu kämpfen, dass ich zunehme – Und momentan ist es noch nicht wegen der Schwangerschaft, sondern weil mein Körper endlich mal sein Set Point Gewicht erreichen möchte. Aber es ist auszuhalten und es geht mir um so vieles besser als vorher, obwohl ich vorher dünner war.
    Es liegt tatsächlich nicht am Gewicht.
    Aber wenn es das einzige ist, was einen überleben lässt, klammert man sich natürlich dran.

    Ich bin froh, nun etwas anderes gefunden zu haben, was mich überleben lässt. Ein zukünftiges Baby, meine Mutterrolle, das Wunder des Lebens…
    Ich würde mir sehr für dich wünschen, dass du eines Tages auch etwas anderes findest, was dich überleben lässt. Und was dich gleichzeitig aus deiner altbekannten Hölle zieht.
    Denn “hier oben” ist es einfach schöner. Auch wenn ich es nie für möglich gehalten hätte.

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Kim

  13. Ich finde deinen vierten Namensvorschlag sehr passend.

    Ich habe zu der Pro-Ana-Thematik auch einst einen Eintrag verfasst. Vielleicht hast du Lust, meine Gedankengänge zu diesem Thema zu lesen. Ich mache eigentlich keine Werbung für meinen mikrigen Blog – und als solches sollte es jetzt auch nicht wahrgenommen werden! -, aber ich bin mir sicher, dass du in manchen Dingen genauso denkst.

    http://gildedhummingbird.blogspot.com/2011/10/anti-pro-ana.html

    Ich wünsche dir noch alles Gute,
    Simone

  14. Liebe me
    Dein Blog ist perfekt. Ich habe mir jeden Artikel kopiert und ihn gespeichert…
    Ich lebe mit Essstörung. Es ist so schwierig… So viele wollen helfen, doch ich kann die Hilfe nicht annehmen, ich zerstöre meine Familie, zerbreche die Herzen meinen Freunden, meinen Eltern und das von meinem kleinen Bruder. Es wäre am besten wenn es mich nie gegeben hätte, doch Selbstmord kommt nicht in Frage. Ich weiss wie sich Selbsthass und Verzweiflung anfühlen, ich bin ein Hungermädchen. Die Sätze du hast extrem abgenommen, das ist nicht gut, du bist zu dünn. Es sind nur noch Echos von Leuten die mir helfen wollen, vielleicht nur um allen zu Beweisen was für ach so tolle Menschen sie sind. Aber schlussendlich werden sich alle abwenden, ich muss alleine klarkommen. Das einsame, traurige, abgemagerte Mädchen mit den Narben. Gefangen in einer Schneekugel. Ich bin Kälte und Verzweiflung schonungslos ausgesetzt. Alles dreht sich im Kreis: Hungern und abnehmen, dann etwas dagegen tun, dann schnappt man sich ein Messer und schneidet sich die Arme auf… und so weiter. Manchmal willst du schreien, es ist als ob du unsichtbar bist. Du kannst so laut schreien wie du willst, doch es hört niemand. Weil aus deinem Mund kein Ton kommt.
    Du wünschst dir du wärst tot, niemals geboren, oder einfach normal. Aber Selbstmord? Das würde tiefe Wunden in meine Bekannten reissen, unsichtbare, die trotzdem tief sind. Wenn ich mich zu tief ritzen würde. Jemand würde mich am Boden finden, die Pulsadern aufgeschnitten, der Fussboden wäre voller rotem Blut, dann würde die Person das Messer in meiner Hand finden. So etwas kann niemand einfach so wegstecken. Also will ich manchmal zuhnehmen, Im Moment gehe ich durch die Hölle, ohne Aussicht auf Besserung. Aber ich will nicht in der Hölle bleiben. Wie jeder Mensch habe ich Träume Meine sind zwar nicht unbedingt den Mr. Perfect zu finden und mit ihm alt werden. ich will In jedes Land der Welt reisen, wo nicht gerade Krieg ist, Menschen helfen und vielleicht in einem Land bleiben. Doch wie soll ich das schaffen? Wenn ich im Moment am liebsten tot wäre,
    Ich beneide jeden Menschen auf diesem beschissenen Planeten, der für den Essen selbstverständlich ist, der kein Hungersklave ist und sich gesund und ausgewogen ernährt und nicht nach jedem Bissen zum Klo rennt und das “tolle” Essen rauswürgt.
    Einige sagen dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht. Das wäre schön… Dann gäbe es keine Zukunft, die ich mir verbocken könnte. Ich würde einfach zusehen wie diese Welt den Bach runtergeht. Es wäre ein würdevoller Tod, anders als Selbstmord oder Folgen von meiner ES. Dann würden auch die draufgehen, die ich hasse. Leute die sich wichtigmachen weil sie soooo viel über Magersucht wissen, weil ihre Supermütter das halbe Land kennen oder weil sie schon Mal ein Buch darüber gelesen haben. Was auch immer. Die können doch nur sagen:
    -Das ist sooo schlimm
    -Wenn man Magersüchtig ist, ist man ja auch nicht mehr gut in der Schule weil der Körper Nahrung braucht um zu funktionieren
    -Man ist erst Magersüchtig wenn man untergewichtig ist
    -Habt ihr schon mal von den Nebenwirkungen gehört?
    -Die sind doch alle zusammen so schlau wie ein Tannenbaum, wenn sie so abmagern wollen
    -Wissen die was sie ihrem Körper antun?
    O Gott, wie ich diese Sätze verabscheue… Aber ich kenne leider zu viele die so denken. Sie halten sich für experten und finden es suuupercool dass sie so “viel” wissen. Aber 99% von ihnen wissen nicht wie es sich anfühlt wenn man 3 Tage nichts gegessen hat, wenn man nach 2 Monaten Hunger eine RIESEN FA bekommt und nachher alles ins Klo würgt. Sie wissen auch nicht wie es ist wenn man sich wünscht dass man einfach nur noch tot ist. Ich weiss ich rede viel vom Tod…
    Die letzten Monate habe ich einen Traum, es ist immer der selbe:
    Ich sehe mich wie ich aufstehe und zur Waage torkle. Meine Seele ist ausserhalb von meinem Körper, ich bin nur noch eine leere Hülle. Die Waage zeigt 0 kg an, doch ich bin immer noch nicht zufrieden. Dann merke ich dass etwas nicht stimmt und durchsuche das Haus. Erleichtert sehe ich dann meine Familie unten vor der Tür. Sie sind traurig, in schwarz gekleidet. Ich will ihnen Hallo sagen, doch sie hören mich nicht. Ich schreie, laut und verzweifelt, doch sie wollen mich nicht hören. Sie gehen aus der Tür. Es ist grau und neblig, wie im November. Sie gehen in eine Kirche, dort sind alle meine Freunde und Bekannten. Alle tragen schwarz und viele weinen. Nachdem ein Pfarrer viel über mich gesagt hat, mein ganzes Leben in eine Predigt gepackt, die eine Stunde dauert. Als sie vorbei ist gehen sie zum Friedhof. Jeder erhält eine Blume und wirft sie auf einen Sarg, meinem Sarg. Auf dem Grabstein steht: Julia M. 20.10.1997-(das Datum vom jeweiligen Tag) Auf der Inschrift ist immer ein anderes Zitat, das ich mag. Plötzlich bin ich im Sarg. Ein ewig hungriges Mädchen, abgemagert und von Narben übersäht. Das Mädchen hätte so ein schönes Leben haben können. Ich hätte so ein schönes Leben haben können.
    Okay wenn du das liest, weisst du extrem viel über mich. Bitte behandle das was ich geschrieben habe mit Respekl!
    Liebe Grüsse Julia

  15. @Kim: Vielleicht liest du das ja noch. Ich fand deinen Beitrag sehr interessant. Vorallem, deine Motivation zu kämpfen und durchzuhalten. Hast du vielleicht einen eigenen Blog? Ich glaube, mit deiner Geschichte könntest du vielen Mut machen. Alles Gute für dich und dein Kind!

  16. Hallo Anna,

    ich selber habe keinen Blog, da ich mich bisher immer sehr für mich geschämt habe und immer das Gefühl hatte, so wie ich bin, falsch zu sein. Das wollte ich nicht veröffentlichen. Habe auch große Schwierigkeiten gehabt, überhaupt mal einen Satz über mich zu sagen..
    Aber inzwischen geht es mir besser und ich merke langsam, dass ich völlig in Ordnung bin, so, wie ich bin.
    Vielleicht ist es keine schlechte Idee, mal mehr von mir preiszugeben und anderen damit eventuell Hoffnung zu machen.
    Vielen Dank für diese schöne Idee;
    ich werde mir dazu einiges überlegen :)
    Liebe Grüße, Kim

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